Simone Wolf, Pawel Wolf, Hans-Ulrich Onasch, Catharine Hof, Ulrike Nowotnick

Meroë und Hamadab – Stadtstrukturen und Lebensformen im afrikanischen Reich von Kusch. Die Arbeiten der Kampagnen 2008 und 2009

Die Feldkampagnen 2008 und 2009 in den Royal Baths von Meroë sowie in Hamadab haben an beiden Orten entscheidende Erkenntnisse zur Baugeschichte sowie zur Nutzung der Areale erbracht: In den Royal Baths konnten die Kulturschichten bis hinab zum gewachsenen Boden, also weit vor Errichtung der Bäder erfasst werden, darunter mächtige Keramikdeposite sowie zwei Grablegungen. Die gewonnene Stratigraphie dokumentiert klar das relative zeitliche Verhältnis zwischen dem Bau der Royal Baths und der Stadtmauer von Meroë. Dabei ließen sich erstmals Konstruktionsweise und Bauphasen der Stadtmauer steingerecht aufnehmen, woraus wiederum eine korrekte Zuordnung der erhaltenen angrenzenden Mauerzüge der Royal Baths resultiert. Neu ist darüber hinaus die Entdeckung einer Gartenanlage mit Pflanzgruben rund um das Wasserbecken. Auch ist jetzt der zweite unterirdische Wasserkanal südöstlich des Beckens sowohl hinsichtlich Bauweise als auch Gefällerichtung genau dokumentiert und in seiner Beziehung zu den Royal Baths definierbar. Neben den Grabungen wurden die Konservierungsmaßnahmen im Areal der Royal Baths fortgesetzt. In Hamadab ist inzwischen der Stadtplan für den gesamten Nordteil der Oberstadt und einen Teil der Unterstadt durch Oberflächensondagen erfasst. Grabungen in zwei meroitischen Gebäudekomplexen der Oberstadt ermöglichen erstmals detaillierte Erkenntnisse zur internen Struktur, bauhistorischen Entwicklung und Nutzung von Häusern. Sondagen an der Stadtmauer und in der Umgebung des Stadttempels beleuchten darüber hinaus Entstehungs- und Baugeschichte der Siedlung. Prospektionen mit Georadar und geoelektrischen Widerstandsmessungen an zwei Eisenschlackehalden sind methodisch richtungsweisend. Die Erforschung der Peripherie von Hamadab und Meroë wurde mit einem Survey begonnen, dabei wurde der erste bekannte napatanisch-frühmeroitische Siedlungsplatz ohne spätere Überbauung im Kerngebiet des meroitischen Reiches entdeckt. Darüber hinaus erbrachte die vergleichende Bearbeitung der Keramik von Meroë und Hamadab erste Fortschritte, auch konnte der Bau des 3D-Modells für beide untersuchten Plätze fortgeführt werden.

Schlagworte

Kusch; Meroë; Hamadab; Siedlungsarchäologie; geophysikalische Prospektion; Konservierung

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