Sascha Kansteiner

Geschlechtswechsel in der antiken Skulptur

Ausgangspunkt des Beitrags ist die große Gruppe von römischen Skulpturen, die ein griechisches Original im Großen und Ganzen getreu wiedergeben, es aber inhaltlich abwandeln, die sog. Umdeutungen. Wie weit der Spielraum reicht, der sich den Bildhauern bei diesem ambivalenten Umgang mit Statuen klassischer und hellenistischer Zeit bot, veranschaulichen einige Extremfälle, in denen nicht nur die Attribute und die Bekleidung des Originals verändert, sondern sogar das Genus transformiert worden ist. Zu solchen Schöpfungen kam es offenbar dann, wenn Bildhauer mit der Aufgabe konfrontiert waren, Statuen anzufertigen, für deren Kreation das einschlägige Repertoire an Abgüssen griechischer Originale nichts Passendes parat hielt, etwa eine weibliche Figur aus dem Gefolge des Bacchus oder ein Hirtenmädchen. Durch die Orientierung an einer im weitesten Sinn ›klassischen‹ Form war es möglich, beim Käufer den Eindruck zu erwecken, dass eine Statue trotz ungewöhnlichen Sujets auf einem Vorbild aus der Blütezeit der griechischen Kunst fußt. – Die Besprechung der Spezial-Umdeutungen bietet außerdem die Gelegenheit, die Überlieferung zweier äußerst beliebter statuarischer Typen des Dionysos vorzuführen, die in der Forschung so gut wie unbekannt geblieben sind. Den Abschluss bildet ein Ausblick auf die Transformation des Genus bei Statuen in sekundären Zusammenhängen, also in der Spät- und in der Nachantike.

Schlagworte

Statuen des Dionysos; Geschlechtswechsel; Kopienproduktion; Umdeutungen