Felix Pirson

Pergamon – Bericht über die Arbeiten in der Kampagne 2015

Die Arbeiten der Pergamongrabung im Jahr 2015 konzentrierten sich auf die Erforschung der hellenistischen Residenzstadt und ihres Umlandes im Rahmen des aktuellen Forschungsprogramms. Mit dem Abschluss der Ausgrabungen in einem mutmaßlichen Banketthaus am nördlichen Osthang konnte das mehrjährige Projekt zur Erforschung von Naturheiligtümern und ihren Infrastruktureinrichtungen abgeschlossen werden. Im Hauptraum des Gebäudes hat sich eine Wanddekoration im so genannten Mauerwerksstil bzw. östlichen Ersten Stil erstaunlich gut erhalten. Dank stratigraphischer Grabungen in bau- und ausstattungszeitliche Schichten lässt sie sich in das 1. Jh. v. Chr. datieren und wird damit zu einem wichtigen Monument für die Architektur- und Dekorationsgeschichte am Übergang zwischen Hellenismus und römischer Epoche. Die Fortsetzung der Untersuchungen der Unteren Agora hat zahlreiche neue Ergebnisse vor allem für die kaiserzeitliche, spätantike und byzantinische Nutzung und Nachnutzung der Anlage ergeben. Die Bauforschung konnte neue Erkenntnisse für die Rekonstruktion der Hofhallen gewinnen. Am Großgrabhügel Yiğma Tepe wurden die geophysikalischen Prospektionen mit einem breiten Spektrum an Methoden fortgeführt. Dabei konnten vor allem auf dem Gipfelplateau mehrere Anomalien beobachtet werden, die eine Überprüfung durch Grabungen vielversprechend erscheinen lassen. Bei der Wiederaufnahme der Ausgrabungen an dem Tumulus nach über 100 Jahren konnten überraschende Erkenntnisse zur Organisation und Strukturierung der Aufschüttung sowie zur Frequentierung des Monuments ab dem 1. Jh. v. Chr. gewonnen werden. Im Rahmen des Surveyprojekts zum Hafennetzwerk der Kane-Halbinsel ist die Datenlage für die Stadt Kane selbst nochmals deutlich verbessert worden, so dass wir nun relativ klare Vorstellungen vom Verlauf der Stadtmauer sowie von Lage und Ausdehnung des Hafens haben. Daneben wurden mehrere römische Baustrukturen, darunter eine römische Villa marittima, untersucht. Geoarchäologische Forschungen konnten die ursprüngliche Insellage des Stadtgebietes von Kane bestätigen, womit zugleich die Identifikation der dritten Arginusen-Insel geglückt ist. Ein vielversprechendes Pollenprofil aus einem Kratersee im Inneren der Kara Dağ-Halbinsel befindet sich noch in der Auswertung. In der Roten Halle wurde die Konservierung des Kellergewölbes abgeschlossen und die Arrondierung des Außenbereiches zum Selinus hin weit vorangebracht. Im Gymnasion konnte die Sicherung der Odeions-Rückwand abgeschlossen und die Anastylose der südwestlichen Portikus-Ecke der großen Palästra weiter fortgesetzt werden.

Schlagworte

Pergamon; Banketthaus; Mauerwerkstil; Untere Agora; Yiğma Tepe; Großgrabhügel; Geophysik; Kane; Arginusen; Villa marittima; Anthropologie; Dendrochronologie; Rote Halle; Gymnasion

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