Andreas Schachner

Die Ausgrabungen in Boğazköy-Ḫattuša 2009

Zum Abschluß der Arbeiten in der westlichen Oberstadt gelang der Nachweis, daß das seit 2006 untersuchte Gebäude einem der höchsten Vertreter des hethitischen Militärs wahrscheinlich als Residenz diente. Dieses Ergebnis ermöglicht es erstmals, neben weitreichenden, sozialhistorischen Interpretationen, einen Vertreter dieser bisher nur aus den Keilschrifttexten bekannten sozialen Schicht in der Stadt zu verorten.

Die neuen Ausgrabungen in der Unterstadt liefern bereits in der ersten Kampagne Daten für die chronologische und strukturelle Rekonstruktion des Areals, die auf eine teilweise Revision der bisher gültigen chronologischen Einteilung hinweisen. Darüber hinaus ergeben sich erhebliche strukturelle Unterschiede im Vergleich zu den Altgrabungen, die die Vermutung nahelegen, daß sich die monumentale Bebauung nicht nach Süden fortsetzt, sondern daß hier Wohnbebauung zu vermuten ist. Ein neu entdecktes Tor in der Poternenmauer löst die alte Problematik der Verbindung zwischen der Unter- und der Oberstadt.

Eine durch Brand zerstörte Bauschicht mit guterhaltenen Funden der Karum-Zeit ist nicht nur der Beleg dafür, daß die Siedlung der assyrischen Kaufleute wesentlich größer war als bisher angenommen, sondern ermöglicht es, den Übergang zur hethitischen Zeit und die Gründungsphase des Reiches besser zu verstehen.

Die Arbeiten in Çamlıbel Tarlası konnten erfolgreich abgeschlossen werden, wobei vor allem der Nachweis früher Metallurgie – unterstützt durch naturwissenschaftliche Analysen – einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis der frühen seßhaften Siedlungen in der Region von Boğazköy liefert. Beobachtungen zur Geomorphologie des Tals von Karakeçili erlauben Rückschlüsse auf die Entwicklung der gesamten Region Boğazköy und werfen ein erstes Licht auf die Möglichkeiten entsprechender Arbeiten.

 

Schlagworte

Ḫattuša; Karum-Zeit; Wohnhaus; Çamlıbel Tarlası; Chalkolithikum; Metallurgie

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