Joseph Maran, Alkestis Papadimitriou

Gegen den Strom der Geschichte. Die nördliche Unterstadt von Tiryns: ein gescheitertes Urbanisierungsprojekt der mykenischen Nachpalastzeit

Das 12. Jh. v. Chr. war ein Abschnitt, während dem sich Tiryns gegenläufig zu allen anderen vormaligen mykenischen Palastzentren entwickelte, indem es expandierte, als diese schrumpften oder sogar verlassen wurden. Es gibt, abgesehen von der Oberburg, keinen anderen Siedlungsteil, in dem sich diese außergewöhnliche Dynamik derart klar manifestiert wie in der nördlichen Unterstadt. Ergebnisse eines neuen Forschungsprojekts in der nordwestlichen Unterstadt zeigen, dass dort ab dem frühesten Abschnitt von SH IIIC ein neuer Siedlungsteil entstand, dessen Gründung einen endpalastzeitlichen ›Masterplan‹ zu Ende geführt haben dürfte. Die unmittelbar nach der Zerstörung des Palastes eingeleitete systematische Erschließung der nördlichen Unterstadt scheint schon nach rund zwei Generationen ins Stocken geraten zu sein, was dazu führte, dass ein Prozess der Urbanisierung, der durchaus mit zyprischen Stadtplanungen des 12. Jhs. v. Chr. vergleichbar ist, beendet wurde. Der Zeitabschnitt, in dem Tiryns sich ›gegen den Strom der Geschichte‹ entwickelt hat, scheint damit bereits lange vor dem Ende der mykenischen Nachpalastzeit seinen Zenit überschritten zu haben.

Schlagworte

Tiryns; Unterstadt; Mykenische Zeit; Nachpalastzeit; Späthelladisch IIIC; Kulturwandel; Urbanisierung; kulturelle Praxis; Frühe Eisenzeit

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