Sevinç Günel, Suzanne Herbordt

Mykenische Kraterfragmente mit figürlichen Darstellungen und ein Siegelabdruck eines hethitischen Prinzen aus der spätbronzezeitlichen Siedlung von Çine-Tepecik

Die Ausgrabungen der spätbronzezeitlichen Siedlung von Çine-Tepecik, in der Çine-Ebene (Ebene des Marsyas) südlich des Mäanders gelegen, brachten sowohl eine starke Befestigungsmauer als auch Gebäude für Vorratshaltung zutage. In einem der Gebäude wurden neben einer großen Anzahl von Gefäßen zahlreiche Pithosscherben und ein Pithos in situ gefunden. Lokale, westanatolische Keramikwaren und -formen sind durch Teller aus ›buff ware‹, Schüsseln mit rot bemaltem Dekor sowie große Schüsseln und Krüge vertreten. Aus dem Bereich der Westmauer des Gebäudes kamen zahlreiche Pithoi, Gefäßfragmente, Metallfunde sowie zwei hethitische Siegelungen auf Tonverschlüssen. Die bemalten mykenischen Schüsseln, Kratere mit figürlichen Darstellungen und die großreichszeitlichen hethitischen Siegelabdrücke mit Hieroglypheninschriften weisen auf einen interregionalen Handel sowie auf eine Verwaltungsfunktion des Gebäudes hin. Die Bildthemen auf zwei Krateren spiegeln eine zum ›pictorial style‹ parallel verlaufende Tradition wider, die aus der Ägais und dem östlichen Mittelmeerraum bekannt ist. Sowohl die Jagdszene als auch die Darstellung eines Kriegers gehören im Kontext der mykenischen Themen und Motive der Periode SH III B2 – SH III C-Früh und -Mitte an und liefern dazu eine parallele Chronologie.

Schlagworte

Mykenische Keramik; hethitische Hieroglyphensiegel; Glyptik; spätbronzezeitlicher Handel; Westkleinasien

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