Kaiserzeitliche und frühbyzantinische Inschriften aus der Region von Germia in Nordwestgalatien

  • Andreas Victor Walser
Schlagworte:
Galatien, Germia, Dona militaria, Primus pilus, Men, Philippus Arabs, Christentum
Abstract

Es werden rund 40 neue Inschriften veröffentlicht, die bei einem Survey in der Gegend von Germia (heute Gümü¸skonak) im nordwestlichen Galatien aufgenommen wurden. Die Inschriften gehören je etwa zur Hälfte in die Kaiserzeit und in die frühbyzantinische Epoche. Unter den kaiserzeitlichen Texten verdienen folgende besondere Beachtung: 1: Der Rat und das Volk der Sebastenoi Tolistobogioi ehrten im späteren 1. Jh. den aus Pessinous stammenden primipilaris der legio III Augusta Lucius Pontius Varronius Seneca, der von Vespasian im Jüdischen Krieg ausgezeichnet wurde. Die Inschrift liefert auch neue Informationen zur historischen Geographie der Region. 6: Als Ex-voto für die Rettung seiner Herren und seiner Familie errichtete ein Freigelassener, der vermutlich auf einer privaten Domäne tätig war, eine Weihung für den Kyrios Asklepios Soter und die Kyria Hygeia. 7–9: Drei Weihungen bezeugen einen bisher nicht bekannten Kult für Men, der den Beinamen Mantalenos trägt. Die Epiklese lässt vermuten, dass eine bei Stephanos von Byzanz aufgeführte Polis Mantalos bei Ayvalı, dem Fundort der Inschrift, zu lokalisieren ist. 12–14: Drei Grabstelen aus dem 2. oder frühen 3. Jh. für Frauen, darunter eine threpte, zeichnen sich durch ihre Dekoration aus. 38: Ein Verband von Kolonen einer kaiserlichen Domäne ehrte 247 oder 248 den Kaiser Philippus Arabs. Die Inschrift, die erstmals epigraphisch die Siegerbeinamen Carpicus und Germanicus bezeugt, wurde später vollständig eradiert. Bei den Inschriften aus frühbyzantinischer Zeit handelt es sich überwiegend um einfache christliche Grabinschriften, etwa eines Angehörigen eines Klosters des Hl. Konstantin aus Germia (20), eines Händlers aus Apameia in Syrien (21), eines Mönchs (22), eines Goldgiessers (23), eines Schmieds (24), eines als «Diener der Theotokos» bezeichneten dekanos (29) oder eines scriniarius aus Konstantinopel (31). Hinzu kommen weitere Monumente wie eine jüdische Inschrift aus Goeleon/Kayakent (40), eine Inschrift mit dem Psalm 120, 8 als Segenswunsch (18) oder der Grenzstein eines Landgutes, das einem christlichen Hospiz gehörte (35).

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