El cementerio prehispánico de El Tamarindo, Municipio La Trinidad, Departamento Estelí, Nicaragua

Schlagworte: El Tamarindo, Nicaragua, prähispanische Gräber, Keramik-Sequenz

Abstract

Archäologische Forschungen auf dem prähispanischen Friedhof von El Tamarindo (Abb. 1), die in den Monaten Februar und März 2006 durchgeführt wurden, lieferten neue Daten über die Vorgeschichte der nördlichen Region Nicaraguas.
Wie einige Radiokohlenstoffdatierungen und Keramiktypen zeigen, wurde die Grabstätte zwischen der Orosi- und der Ometepe-Periode (ca. 800 v. Chr.–1500 n. Chr.) mehr als 2000 Jahre lang genutzt. Die frühesten Besiedlungen werden mit geritzter Keramik und/oder negativer Bemalung in Verbindung gebracht, während in den letzten Nutzungsphasen des Friedhofs verschiedene polychrome Typen auftauchten (wie der Vallejo Policromo- oder der Papagayo Policromo Typus), die in denselben stratigraphischen Kontexten gefunden wurden, weshalb ihre Zeitgenössigkeit angenommen wird.Polychrome Vallejo-Keramik, die bisher mit der Ankunft der Nicaraguaner (Nahua-Sprecher aus Mexiko) in Verbindung gebracht wurde, konnten in den Sapoá-Kontexten (ab 800 n. Chr.) von El Tamarindo gefunden werden. Unsere frühen Daten sowie die Ergebnisse des Santa-Isabel-Projekts (McCafferty – Steinbrenner 2005) stimmen nicht mit dem für die Ometepe-Periode (1350–1550 n. Chr.) postulierten mutmaßlichen Datum der Ankunft dieser mesoamerikanischen Gruppe auf dem heutigen Territorium Nicaraguas überein. Darüber hinaus implizieren die Ergebnisse, dass die verschiedenen polychromen Stile nicht unbedingt Produkte der „Mesoamerikanisierung“ des „Gran Nicoya“ waren, sondern vielmehr regionalen stilistischen Veränderungen in der Dekoration der Keramik entsprechen könnten (von der Ritz- und/oder Negativmalerei zur polychromen Keramik).
Die frühesten Gräber (Tempisque-Bagaces-Periode: 500 v. Chr.–800 n. Chr.), die sich unter Hügelgräbern (Calpules) in einer Tiefe von 1,7–3,5 m befinden, zeigen „Decken“ aus großen Steinen, während eine andere, einfachere Form, ovalen Gruben gleichkommen. Späte Bestattungen (Sapoá-Ometepe-Periode: 800–1550 n. Chr.) befinden sich neben einigen großen Steinen. Eine andere „späte“ Art der Bestattung der Toten bestand darin, die verbrannten Knochen in Urnen aufzubewahren. Alle Bestattungen zeigen Opfergaben in Form von Keramik, lithischen Gegenständen, Ohrringen, Perlen von Halsketten und/oder Meeres­muscheln.

Veröffentlicht
2020-10-05
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Artikel