Abteilung Madrid
Córdoba, Spanien
Madīnat al-Zahrā'
Die Arbeiten der Jahre 2020 und 2021
1Kalif ꜤAbd al-Raḥmān III. gründete 940/941 n. Chr. eine neue Hauptstadt: Madīnat al-Zahrāʼ. Nur wenig außerhalb von Córdoba (Spanien) gelegen, entstand innerhalb von nur wenigen Jahren ein bedeutendes Zentrum der islamischen Kultur, mit Palästen, Gärten, Moscheen, Werkstätten und Wohnbezirken. Gesandte der byzantinischen und römisch-deutschen Kaiser wurden empfangen, Siege im nördlichen Afrika gefeiert. Zu Beginn des Bürgerkrieges ab 1009 n. Chr. zerstört und anschließend nicht überbaut, lassen sich hier wie an kaum einem anderen Ort Struktur und Funktionsweise eines Machtzentrums aus der Blütezeit der islamischen Kultur erforschen.
2Derzeit untersucht die Abteilung Madrid gemeinsam mit dem Conjunto Arqueológico de Madinat al-Zahra den monumentalen Platz vor den Toren des Kalifenpalastes der Stadt, die sog. Plaza de Armas (Abb. 1, Bereich A). 2017 konnte eine Portikus dokumentiert werden, die bereits 1975 auf der Westseite des Platzes freigelegt und anschließend teilweise wieder errichtet worden war. 2018 wurde dann ein Gebäudekomplex auf der gegenüberliegenden Seite untersucht, 2019 dessen Eingangstor. Für 2020 war eine Grabung an der Nordostecke der Plaza de Armas geplant. Bedingt durch die COVID-19-Pandemie konnte die Grabung jedoch erst vom 10. Mai bis 2. Juli 2021 durchgeführt werden (Abb. 2). Ziel war es, an einem neuralgischen Punkt die bauliche Entwicklung des Platzes zu klären.
3Das Grabungsprojekt wird durch eine Reihe weiterer Vorhaben begleitet. So konnte seit Herbst 2019 kontinuierlich an der Restaurierung und Untersuchung von Eisenelementen gearbeitet werden, die im Bereich des Osttores geborgen worden waren. Gemeinsam mit dem Büro Lengyel Toulouse Architekten wurde zudem im Herbst 2020 der große Garten des Kalifen visualisiert. Abgeschlossen ist das Projekt von Yoshifumi Yasuoka (Waseda Universität, Tokyo) zum Kanon der Säulenkapitelle von Madīnat al-Zahrāʼ. Ferner läuft seit 2020 unter der Leitung von Heike Lehmann (TU Berlin) die Bauuntersuchung des Oberen Saales von Madīnat al-Zahrāʼ (Abb. 1, Bereich B).
Bauliche Entwicklung der Plaza de Armas
4Die Grabung 2021 an der Nordostecke der Plaza de Armas hat einmal mehr verdeutlicht, dass der Platz vor den Toren des Kalifenpalastes nicht gesamtheitlich geplant und erbaut worden ist, sondern in seiner heutigen Form das Ergebnis einer Abfolge von Baumaßnahmen, Neukonzeptionen und Planänderungen ist (Abb. 3). Die gewonnenen Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Platzanlage konnten dabei bisherige Annahmen teilweise bestätigen und verfeinern, teilweise revidieren. An der Platzanlage lassen sich nunmehr sechs größere Phasen der Bauaktivität unterscheiden, die jeweils das Ergebnis einer Neuplanung des Bereichs vor dem Palasteingang waren (Abb. 4.5). Die Datierung der einzelnen Phasen ist nicht gesichert, fällt aber vermutlich in die Jahre zwischen der Gründung der Stadt im Jahr 940/941 n. Chr. und den Umzug des Kalifen al-Ḥakam II. nach Córdoba am 26. März 975 n. Chr.
Phase 1: Vorfeld des Kalifenpalastes
5Das Areal der späteren Platzanlage war ursprünglich ein nach Süden abfallendes, baulich nicht definiertes Gelände östlich außerhalb des Kalifenpalastes. Der Palast war als 620 x 650 m großer Baukomplex errichtet worden, mit einem ausgedehnten Garten im unteren, südlichen Bereich sowie Wohn- und Repräsentationsbauten im oberen, nördlichen Bereich. Eine hohe, mit Vorlagen verstärkte Mauer umgab den Palast. Tore sind im Westen, Süden und Osten nachgewiesen. Erst mit der Zeit entwickelte sich ein Eingang am nördlichen Ende der Ostmauer zum Haupttor des Palastes, dem Bāb al-Sudda. Die spätere Plaza de Armas war das Vorfeld dieses Tores.
Phase 2: Freifläche zwischen zwei Bauten
6Außerhalb des Palastes, dem Haupttor östlich gegenüber, stand ein zweiter, rund 120 x 235 m großer Baukomplex. Auch ihn umgab eine hohe Mauer. Die diesjährige Grabung hat zudem gezeigt, dass seine Nordwestecke durch einen Turm befestigt war. Innerhalb der Anlage konnte bereits 2018 ein Pavillon untersucht werden, der auf einer 3,5 m hohen Plattform stand. Auffallend an den Mauern der ersten Bauphase des Baukomplexes ist ihre zweischalige Bauweise und die Verwendung von Lehm- statt Kalkmörtel. Die Funktion der Anlage ist noch ungeklärt. Es könnte sich um einen Verwaltungsbau gehandelt haben, vielleicht auch den Sitz eines hohen Funktionärs. Nicht auszuschließen ist die Existenz von Bauten älteren Datums am selben Standort. So wurden bei den Grabungen Keramik und eine Kupfermünze des frühen 10. Jahrhunderts gefunden.
Phase 3: Begrenzung der Freifläche
7Zwischen dem Kalifenpalast und dem Baukomplex im Osten lag eine rund 120 x 160 m große, nach Süden abfallende Freifläche (Abb. 4). Die Zugänge zu den beiden Bauten lagen sich dabei von Anfang an direkt gegenüber. Erst nachträglich wurde die bestehende Freifläche im Norden, zum Berg hin, durch eine Mauer begrenzt. An der Außenseite war die nur 1 m dicke Mauer durch Vorlagen verstärkt und diente vermutlich als Definition des herrschaftlich genutzten Geländes. Etwa zeitgleich wurde die Außenmauer des Kalifenpalastes verstärkt und mit Türmen versehen, nach dem Vorbild des Alcázar, dem Stadtpalast des Kalifen in Córdoba.
Phase 4: Eine Portikus als Fassade des Kalifenpalastes
8In einer ersten Ausbauphase wurde dem Kalifenpalast an der Westseite des Platzes eine 120 m breite Portikus vorgelagert. Hierfür musste das Areal direkt vor der Palastfassade planiert werden, nicht aber die gesamte Freifläche, die weiterhin nach Süden abfiel. Die heute teilweise wieder errichtete Portikus ist in 14 Joche gegliedert, wobei ein etwas weiteres Joch die Lage des Palasteingangs markiert. Das Mitteljoch hatte einen von Säulen getragenen Hufeisenbogen, die restlichen Joche einfache Segmentbögen, alternierend aus Kalkstein und roten Ziegeln gemauert. Die Portikus übertrifft an Größe die etwa zeitgleich (951 n. Chr.) erneuerte Hoffassade der Moschee von Córdoba. Die Arkadenpfeiler waren mit der Rückwand der Portikus über Querbögen verbunden und – anders als in der Moschee – außen mit Strebepfeilern verstärkt, sodass sie einen kreuzförmigen Querschnitt aufweisen. Die Portikus hatte ein flaches, begehbares Dach, von dem umfangreiche, rot bemalte Estrichfragmente in Versturzlage erhalten sind. Über dem Mitteljoch lag zudem ein Pavillon, von dem aus der Herrscher das Vorfeld des Palastes überblicken konnte. Gleichzeitig markierte er symbolisch die Anwesenheit des Kalifen. Mit dem Bau der Portikus wurde eine Übergangszone zwischen Palast und Außenbereich geschaffen, und zugleich eine Kulisse für die Inszenierung herrschaftlicher Empfänge.
Phase 5: Monumentale Platzgestaltung
9Erst in einer anschließenden Phase fiel die Entscheidung, den Vorbereich des Palastes als Platz- bzw. Hofanlage baulich zu fassen (Abb. 5). Hierfür wurde das gesamte Areal zwischen Palast und östlichem Baukomplex planiert, im Norden durch Absenken des Geländes um bis zu 6 m, im Süden durch Aufschütten um bis zu 10 m. Zur Sicherung musste die bestehende Nordbegrenzung durch das Vorsetzen einer zweiten Mauerschale verstärkt werden. Zeitgleich erfolgte auch eine Terrassierung des Geländes innerhalb des östlichen Baukomplexes. Die Nordmauer wurde hier ebenfalls verstärkt, in diesem Fall zusätzlich durch den Anbau einer zweigeschossigen Raumfolge an der Mauerinnenseite. Erst in dieser Phase nahm die nördliche Begrenzung des Areals den Charakter einer Stadtmauer an.
10An der Ostseite des Platzes wurde eine zweite Portikus errichtet, als Fassade des östlichen Baukomplexes und der bestehenden Portikus gegenüber. Sie war mindestens 100 m breit. Bei der Grabung 2019 fanden sich im Bereich des Mitteljoches nur geringe Reste der Pfeilerfundamente. In der diesjährigen Grabung wurden nun sehr viel umfangreichere Reste der Portikus gefunden. Anders als auf der Westseite wurde hier offenbar auf Querbögen und Strebepfeiler verzichtet, sodass die Pfeiler einen einfachen, rechteckigen Querschnitt aufweisen. Die Bögen waren durchweg hufeisenförmig gestaltet und ausschließlich aus Kalkstein gemauert, ohne alternierende Verwendung von Ziegeln. Umfangreiche Reste der Farbfassung zeigen, dass die Bogensteine abwechselnd in Weiß und Rot bemalt waren. Der äußere Rand der Bögen war zudem mit einem Vielpassbogen, die Außenseite mit einem sog. Hammerfries dekoriert. Eingestürzte Holzbalken, Dachziegel und Eisennägel belegen, dass die Portikus mit einem geneigten Ziegeldach versehen war.
11Bei der Grabung an der Nordostecke des Platzes wurde zudem ein T-förmiger Pfeiler entdeckt (Abb. 6). Das Fehlen einer Baufuge zeigt, dass zeitgleich mit der östlichen Portikus auch an der Nordseite des Platzes eine Raumzeile errichtet wurde. An der Nordwestecke des Platzes wurde ein Torbau angelegt, der den Platz mit einer Straße verband, die nördlich an der Stadtmauer entlanglief. Diese heute als »Camino de Nogales« bekannte Straße kann anhand von Brücken bis in das Stadtgebiet von Córdoba verfolgt werden.
12Für den Bau des Nordtores musste innerhalb des Platzes eine Rampe angelegt werden. Der Bau der Rampe und des Tores setzte die Vermauerung von drei Jochen der westlichen Portikus voraus. Bei dieser Gelegenheit wurden innerhalb der Portikus Amtsstuben und Pferdeställe eingebaut. Die Portikus wurde schrittweise von einem Empfangsbereich zu einem Ort der Kontrolle.
13An der Südseite erforderte die Planierung des Platzes den Bau massiver Substruktionen. Deren Untersuchung ist 2022 geplant. Bereits jetzt lässt sich erkennen, wie umfangreich und weitreichend die Baumaßnahmen der Phase 5 waren. Eine Freifläche zwischen zwei bestehenden Bauten war in eine monumentale Platzanlage verwandelt worden. Platzanlagen dieser Dimension sind in der islamischen Architektur ansonsten nur aus dem Vorderen Orient bekannt. Direktes Vorbild für die Gestaltung könnten aber römische Bauwerke gewesen sein, etwa die Foren oder der Circus der Stadt Córdoba.
Phase 6: Nachnutzung des östlichen Baukomplexes als Stall
14Verschiedene Reste deuten auf punktuelle Umbauten nach Fertigstellung der Platzanlage hin. So wurde am nördlichen Ende der östlichen Portikus nachträglich eine Tür durch die Rückwand gebrochen, offenbar um eine direkte Anbindung an eine Passage im Inneren des östlichen Baukomplexes zu schaffen. In dem Baukomplex selbst verweisen Futtertröge auf eine Nutzung als Stallgebäude. In diesem Zusammenhang wurde auch der Boden- belag ersetzt und Rampen angelegt.
15Die beiden großen Portiken wurden durch einen Brand zerstört, vermutlich bei der historisch überlieferten Plünderung am 4. November 1010 n. Chr.Auch an den Befunden der diesjährigen Grabung wurden wieder deutliche Hinweise auf ein Feuer beobachtet (Abb. 7. 8). So muss das gesamte Dach der östlichen Portikus Feuer gefangen haben. Auch im Inneren des östlichen Baukomplexes scheint es gebrannt zu haben, allerdings nur im Obergeschoss. Dessen ziegelgedecktes Dach und der rot bemalte Boden stürzten auf den Boden des Erdgeschosses. Hier fehlen an den bis zu 6 m hoch erhaltenen Wänden Brandspuren. Im Anschluss diente das Areal wiederholt als Quelle für Steinraub, insbesondere im 15. Jahrhundert.
Restaurierung der Eisenelemente des Osttores
16Im Jahr 2019 wurde an der Ostseite der Plaza de Armas das Eingangstor eines dahinterliegenden Gebäudekomplexes ausgegraben. Das Tor war durch den Brand 1010 n. Chr. zerstört worden, und viele seiner Elemente konnten bei der Ausgrabung aus dem Schutt geborgen werden. Besonders zahlreich sind Gegenstände aus Eisen, darunter Nägel, Nieten, Bänder und Beschläge unterschiedlicher Art. Aufgrund der Komplexität des Befundes wurden Teile des Erdreiches als Block geborgen und zur weiteren Untersuchung in das Museum von Madīnat al-Zahrāʼ gebracht. Zunächst erfolgte dort eine Schadenskartierung sowie eine Dokumentation durch Röntgenaufnahmen. Im Anschluss konnten die kleinteilige und zeitaufwändige Freilegung der Eisenteile und eine erste Restaurierung der Objekte in Angriff genommen werden (Abb. 9). Die Arbeiten wurden Ende März 2021 abgeschlossen, die Restaurierung der Objekte wird fortgesetzt.
17Die geborgenen Eisenelemente stammen aus mindestens drei verschiedenen Kontexten:
1. Flügel des Tores: Im Durchgang des Tores wurden 16 Nieten geborgen, jeweils mit Köpfen an beiden Enden. Sie dienten der Befestigung von Holzbrettern an einem Holzrahmen. Die Türblätter müssen insgesamt etwa 15,5 cm dick gewesen sein. Ein im Schutt gefundener verzierter Türbeschlag könnte ebenfalls von diesem Torflügel stammen (Abb. 10).
2. Klappläden einer Arkade oberhalb des Tores: Vor dem Tor wurde ein Klappladen gefunden, der in der Lage, in die er gefallen war, nahezu unverändert erhalten blieb. Die Außenseite des Klappladens war vollflächig mit 10 cm breiten, horizontalen Eisenbändern beschlagen. Die Bänder waren mit kleinen Nägeln am Holz befestigt. An den Enden waren die Eisenbänder U-förmig gebogen, um die Kanten des Klappladens zu schützen.
3. Decke und Dach der Portikus: Gemeinsam mit einer großen Zahl von Dachziegeln wurden mehr als 150 Eisennägel gefunden, die meisten etwa 6 bis 8 cm lang und mit einem runden Kopf an einem Ende. Die Nägel wurden wahrscheinlich zur Befestigung von Holzlatten auf den Sparren des Daches verwendet. Die Latten trugen die etwa 50 cm langen Dachziegel. Darüber hinaus wurden wesentlich größere Nägel mit einer Länge von bis zu 40 cm gefunden. Diese langen Nägel fanden sich nicht in der Schicht der Dachziegel, sondern in einer Schicht verstürzter Steinblöcke des oberen Teils der Wände. Ihre Funktion ist noch unklar.
Visualisierung der Gartenanlage des Kalifenpalastes
18Weite Teil des Zentralbereichs der Stadt Madīnat al-Zahrāʼ waren von Gärten eingenommen. Eine geomagnetische Prospektion des Areals durch Tomasz Herbich von der Polnischen Akademie der Wissenschaften erbrachte 2016 und 2017 hochinteressante Details über die Gestaltung der 520 x 620 m großen Gartenanlage, einschließlich des Systems der Bewässerungskanäle sowie der Anordnung von über 9000 Bäumen entlang dieser Kanäle, der Gehwege, Außenmauern und Tore. In Zusammenarbeit mit dem Büro Lengyel Toulouse Architekten wurde nun der Versuch unternommen, auf Grundlage dieser Ergebnisse das Areal zu visualisieren. Zwei Ansichten vermitteln einen Eindruck davon, wie der Garten ausgesehen haben könnte (Abb. 11. 12). Der Standpunkt ist in beiden Fällen ein Hügel in der nordwestlichen Ecke des Gartens. An der Geländeoberfläche sichtbare Mauerreste lassen vermuten, dass auf diesem Hügel ein palastartiges Gebäude stand. Auf dem ersten Bild blickt der Betrachter diagonal über den gesamten unteren Garten. Im Hintergrund ist das Haupttor des Gartens zu sehen, dahinter das Tal des Guadalquivir. Die Ansicht vermittelt einen Eindruck von der Größe des Gartens und der regelmäßigen Anordnung der entlang der Wasserkanäle gepflanzten Bäume. Auf dem zweiten Bild blickt der Betrachter nach Osten, auf den Garten der hohen Terrasse vor dem Salón Rico, dem Empfangssaal des Stadtgründers Kalif ꜤAbd al-Raḥmān III. Die Ansicht zeigt die Beziehung zwischen der Architektur auf dem höher gelegenen Gelände und dem Gartenbereich darunter. Die Bilder vermitteln einen visuellen Eindruck von der Dimension des Gartens von Madīnat al-Zahrāʼ, des frühesten und gleichzeitig größten bisher bekannten Beispiels eines solchen Gartens auf der Iberischen Halbinsel.
Bauuntersuchung des Oberen Saales
19Im Frühjahr 2020 wurde ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes und am Fachgebiet für Bau- und Stadtbaugeschichte der TU Berlin angesiedeltes Projekt zur bauhistorischen Untersuchung eines Teilbereichs des Kalifenpalastes, unter der Leitung von Heike Lehmann und Maria del Carmen Rodriguez Sanchez, in Angriff genommen. Gegenstand des Projektes ist der sog. Obere Saal, einer der beiden großen Saalbauten im Empfangsbereich des Palastes sowie dessen Nebengebäude (Abb. 1: B). Der Baukomplex wurde von 1918 bis 1923 ausgegraben, jedoch nicht im Detail dokumentiert. Ein Vorhaben, ihn wieder zu errichten und als Museum zu nutzen, blieb 1982 unvollendet. Angestrebtes Ergebnis des neuen Projektes ist eine Studie zur architektonischen Konzeption und den Entwicklungsphasen dieses Palastareals im städtebaulichen und topografischen Zusammenhang. Gemeinsam mit dem Departamento de Ingenería, Gráfica y Geomática der Universität Córdoba wurde dieses Jahr eine umfassende Bauaufnahme in Angriff genommen, ausgehend von einer Aufnahme im Structure-from-Motion-erfahren. Im Weiteren wurde die projektrelevante Dokumentation im Plan- und Fotoarchiv des Museums von Madīnat al-Zahrāʼ zusammengetragen und im Magazin mit der Sichtung, Katalogisierung und Fotodokumentation des Fundmaterials begonnen, insbesondere der Bauteile. Im Zentralarchiv in Alcalá de Henares (Archivo General de la Administración) konnte zudem die offizielle Dokumentation der vor 1985 durchgeführten Arbeiten lokalisiert werden.
Kooperationen
Conjunto Arqueológico de Madinat al-Zahra.
Förderung
Max van Berchem Stiftung, Genf; Deutsche Forschungsgemeinschaft.
Leitung des Projektes
F. Arnold, A. Vallejo Triano, H. Lehmann, M. Rodriguez Sanchez.
Team
Á. Apiricio Ledesma, R. Clapés Salmoral, M. González Virseda, W. Jablonska, J. E. Meroño, F. J. Mesas Carrascosa, M. Muñoz Mora, M. O. Rodríguez Ariza, L. Ros Labella, M. Rubio Valverde, A. Ugolini Sánchez-Barroso, E. Zapatero.
Abstracts
Zusammenfassung
Córdoba, Spanien. Madīnat al-Zahrāʾ. Die Arbeiten der Jahre 2020 und 2021
Außerhalb von Córdoba (Spanien) sind die Reste der Hauptstadt eines Kalifen erhalten: Madīnat al-Zahrāʼ. Gegenstand eines Kooperationsprojektes ist die Plaza de Armas, die Platzanlage vor dem Kalifenpalast. Grabungen an dessen Nordostecke liefern neue Hinweise zur Entwicklungsgeschichte des Areals, von seiner Konstituierung als Vorplatzes der Herrscherresidenz bis zu seiner Ausgestaltung mit monumentalen Portiken. Zudem wurden Eisenelemente restauriert und untersucht, die an einem Tor des Platzes gefunden worden waren, und die Gartenanlagen der Stadt visualisiert. Ein neues Projekt hat die Bauuntersuchung eines Empfangssaales des Kalifen zum Ziel. Die Untersuchungen liefern neue Einblicke in den Wandel des Kalifats und seiner baulichen Manifestation.
Schlagworte
Eisen, Kalifal (ca. 929–1031), Gärten, Paläste, Platzanlagen
Abstract
Córdoba, Spain. Madīnat al-Zahrāʾ. Seasons 2020 and 2021
Outside of Córdoba (Spain), the remains of the palatial city of a caliph are preserved: Madīnat al-Zahrāʼ. An ongoing cooperation project focuses on the Plaza de Armas, a huge esplanade outside the caliph's residence. Excavations at the north-east corner of the plaza have provided new insights into its structural development, from its formation as the forecourt of the ruler's palace to the construction of monumental porticos. Iron elements found at a gate have been restored and analyzed, and the city's garden area visualized. In addition a new project has been initiated to document and investigate one of the audience halls of the caliph. The investigations provide new insights into the transformation of the caliphate and its representation in architecture.

Bauliche Entwicklung der Plaza de Armas
Phase 1: Vorfeld des Kalifenpalastes
Phase 2: Freifläche zwischen zwei Bauten
Phase 3: Begrenzung der Freifläche
Phase 4: Eine Portikus als Fassade des Kalifenpalastes
Phase 5: Monumentale Platzgestaltung
Phase 6: Nachnutzung des östlichen Baukomplexes als Stall
Restaurierung der Eisenelemente des Osttores
Visualisierung der Gartenanlage des Kalifenpalastes
Bauuntersuchung des Oberen Saales
Kooperationen
Förderung
Leitung des Projektes
Team
Abstracts