>Orient-Abteilung
Heidelberg, Deutschland / Uruk, Irak
Uruk-Warka-Sammlung des Deutschen Archäologischen Instituts an der Universität Heidelberg
Konservierungsarbeiten der Jahre 2019 und 2020
1Im Jahr 1954 wurde die Abteilung Baghdad des DAI gegründet (seit 1996 Außenstelle Baghdad der Orient-Abteilung) und die Ausgrabung in Uruk (modern Warka) im Südirak nach 15 Jahren kriegsbedingter Unterbrechung wieder fortgesetzt. Die Teilung Deutschlands führte dazu, dass Objekte, die nach der im Irak bis 1969 üblichen Fundteilung der ausgrabenden Institution zugesprochen wurden, nach Westdeutschland, nämlich an die Alma Mater des Grabungsphilologen Adam Falkenstein, verbracht wurden. Hier, an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, werden sie bis heute in der Uruk-Warka-Sammlung verwahrt und in Teilen der Öffentlichkeit präsentiert.
2Der archäologische Ort Uruk im Süden des Irak liegt im 600 km langen Flussdelta des Euphrat und des Tigris auf lediglich 1 m bis ca. 25 m über dem Meeresspiegel. Der Grundwasserspiegel befindet sich meist knapp unter der Oberfläche, so dass die Gefahr der Bodenversalzung sehr hoch ist. Dies ist bei Ausgrabungen in Uruk allenthalben zu beobachten. Messungen an Erdproben und Proben aus Mauern zeigen die Problematik eindrücklich [1]. Sie fallen je nach Drainage-Situation unterschiedlich hoch, jedoch in der Regel deutlich über tolerablen Konzentrationen aus. Die hohe Salzkonzentration ist in allen im Boden liegenden Befunden und Funden anzutreffen und äußert sich oft in dicken Salzkrusten (Abb. 1. Abb. 2) oder auskristallisierenden Salznadeln (Abb. 3). Durch einfaches Waschen von Objekten und Keramikscherben wird sie nur geringfügig verändert, vielmehr zieht sich ein Entsalzungsprozess über viele Tage, manchmal Wochen hin. Das Problem wurde in früherer Zeit nicht erkannt und nur diejenigen archäologisch besonders bedeutsamen Artefakte, die professionell restauratorisch behandelt wurden, erfuhren auch eine systematische Entsalzung.
3Bei den an der Universität Heidelberg aufbewahrten Objekten, insbesondere bei Keramikgefäßen, aber auch Terrakotten und Tontafeln, zeigte sich die Brisanz des hohen Salzgehalts erst, nachdem die Sammlung in neue Archivräume mit anderem Raumklima verbracht wurde. 58 Keramikgefäße, 55 Tontafeln, eine Terrakotte und vier Siegelabrollungen entwickelten starke Ausblühungen (Abb. 4. Abb. 5) bzw. zeigten Zersetzungserscheinungen wie abmehlende Oberflächen (Abb. 6), so dass ihre Restaurierung dringend wurde. Die Ursache war in allen Fällen Salz, wohl regelmäßig Natriumchlorid. Über einen Zeitraum von etwa 14 Monaten wurden die gebrannten Keramik-Objekte daher vorsichtig in einem Bad von deionisiertem Wasser entsalzen und nicht gebrannte Objekte mit Kompressen behandelt. Der Entsalzungsprozess selbst dauerte pro Objekt zwischen einer Woche und 3,5 Monaten und wurde durch tägliche Messungen des Salzgehalts beobachtet (Abb. 7). Der Ausgangswert lag bei vielen Objekten oberhalb des möglichen Gerätemesswertes, die Salze gingen jedoch unproblematisch und schnell in Lösung. Geschädigte oder absplitternde Bereiche gebrannter Keramikobjekte wurden vorab mit dem wachsartigen Cyclododecan fixiert, so dass die Objekte beim Wässern nicht weiter auseinanderfallen. Cyclododecan evaporiert später an der Luft selbständig. Anschließend wurden beschädigte Teile der Objekte fixiert bzw. wo notwendig, die Objektstruktur gefestigt.
4Bei mehreren Objekten mussten zudem alte Klebungen gelöst und die Fragmente neu verklebt werden (Abb. 8), entweder weil ungeeignete Kleber verwendet worden waren, die Klebstellen inzwischen versprödet waren oder sich die Klebung gelöst hatte.
5Durch die Restaurierung sind die Objekte nun nicht nur vor dem weiteren Verfall geschützt, es lassen sich darüber hinaus neue wissenschaftliche Beobachtungen zu den ursprünglichen Oberflächen anstellen (Abb. 9) bzw. Keilschriftobjekte deutlich besser lesen (Abb. 10). Bemalungen beispielsweise wurden so klarer sichtbar als das zuvor der Fall war (Abb. 11). Im Oktober 2020 konnten die letzten Objekte wieder zurück in die Uruk-Warka-Sammlung nach Heidelberg verbracht werden. Eine ausführliche Dokumentation des Zustandes der Objekte vor der Restaurierung, der Maßnahmen während der Restaurierung sowie des durch die Restaurierung erreichten Endzustandes waren wichtiger Teil der Maßnahme. Die Restaurierung wurde von den Diplom-Restauratorinnen Carmen Gütschow und Akiko Nishimura durchgeführt, aus deren detaillierter Dokumentation dieser Bericht schöpft.
Leitung des Projektes
M. van Ess.
Team
C. Gütschow, A. Nishimura.
Abstracts
Abstract
Heidelberg, Germany / Uruk, Iraq. Uruk-Warka-Collection of the German Archaeological Institute at the University of Heidelberg. Object Preservation Project 2019/2020
The Uruk-Warka Collection of the Orient Department of the German Archaeological Institute, curated at the University of Heidelberg, holds those finds that were awarded to the German Warka Expedition between 1954 and 1969 by the Iraqi State Board of Antiquities and Heritage as part of the division of finds. Between 2019 and 2020, a large number of pottery vessels, terracotta figurines, some clay sealings and several clay tablets received conservation treatment in order to minimize the danger of efflorescent salts.

Leitung des Projektes
Team
Abstracts