Patrick Wertmann

Silk Road Fashion, China. The City and a Gate, the Pass and a Road – Four components that make Luoyang the capital of the Silk Roads between 1st and 7th century AD. The year 2018

Im Fokus unserer Forschungen zur Geschichte der alten Seidenstraßen standen vier Fundplätze innerhalb und im Umkreis der zentralchinesischen Stadt Luoyang: (1) die Paläste, Tempel und internationalen Märkte der Stadt Luoyang aus der Zeit der Östlichen Han- bis Nördlichen Wei-Dynastie (1.–6. Jh.) , (2) das Dingding-Stadttor aus der Sui- und Tang-Dynastie (gebaut 605), (3) das bisher einzige physisch erhaltene Straßensegment, der sog. Shihao-Abschnitt der alten Xiaohan-Route, und (4) die als Hangu-Pass bekannte Han-zeitliche Befestigungsanlage und Karawanserei Hangu-Pass (114 v. Chr. – 240 n. Chr.). Für das Funktionieren des überregionalen Seidenstraßenhandels hatten diese vier Orte eine Schlüsselbedeutung und belegen den Status des alten Luoyang als östlichsten Knotenpunkt des weitreichenden Handelsnetzwerks. Alle vier Fundplätze wurden national als große archäologische Entdeckungen Chinas und international mit dem Siegel des UNESCO-Weltkulturerbes ausgezeichnet. Durch den Bau von modernen Fundplatzmuseen sollen ihre Geschichten national und international verbreitet werden. Vor allem aber will man die heutige Stadt Luoyang als Industrie- und Handelszentrum dadurch stärken, dass man an ihre Blüte in historischen Zeiten  erinnert. Wagenspuren und Fußabdrücke von Händlern und ihren Lastentieren lassen Erinnerungen an geschäftiges Treiben wieder aufleben. Im Wettbewerb mit der Stadt Xi’an (einst Chang’an) um den Status als „wahren“ östlichen Ausgangspunkt der Seidenstraßen ist das besonders wichtig. Als Teil einer globalen Geschichte über internationale Beziehungen und Austausch spielen die vier Fundplätze heute politisch und wirtschaftlich als Soft-Power eine große Bedeutung für den chinesischen Staat, insbesondere innerhalb der 2013 ins Leben gerufenen Belt-und-Road-Initiative.

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