Education and cadet branches of the Spartan dyarchy
https://doi.org/10.34780/0q113d25
Abstract
Dieser Artikel befasst sich erneut mit dem Problem der königlichen Erziehung in Sparta und nutzt dieses Thema, um den Status der jüngeren ‹Prinzen› (also der potenziellen Thronfolger) und anderer Mitglieder der Nebenlinien der beiden spartanischen Königsfamilien klarer zu fassen. Die Untersuchung solcher Personen erweist sich bei der Konzeptualisierung der ‹Herrscherperson› des spartanischen Staatswesens bzw. der ‹Staatlichkeit› Spartas als nützlich. Nach einer Untersuchung der gesamten Belege für die Teilhabe der Königsfamilie am öffentlichen Bildungssystem und für ihre Befreiung davon wird die Frage nach dem von Geburt an privilegierten Status der jüngeren ‹Prinzen› als Vollbürger (σπαρτιάτης) erörtert. Diese institutionelle Regel wird dann auf alle belegten männlichen Angehörigen der beiden spartanischen Königshäuser von der Spätarchaik bis zum frühen Hellenismus angewendet. Im untersuchten Zeitraum lassen sich zwanzig Mitglieder der Königsfamilie identifizieren, die teilweise oder vollständig am öffentlichen Bildungssystem partizipiert haben. Acht dieser Personen, also mehr als man erwarten würde, kamen entweder nach Abschluss ihrer paideia, oder nachdem sie während ihrer Teilhabe am öffentlichen Bildungssystem zum designierten Thronfolger ernannt worden waren, an die Regierung. Andere junge ‹Prinzen› hatten verschiedene militärische Kommandos inne, ohne formell König zu sein. Diese Mitglieder der Nebenlinien beider Königshäuser besaßen zu einem gewissen Grad den charismatisch-königlichen Status der Herakliden, integrierten sich jedoch gleichzeitig teilweise in die spartanische Bürgerschaft. Diese Herakliden-Aristokratie war also keine Quelle ideologischer Konflikte, sondern trug durch ihre Teilhabe am spartanischen Bildungsprozess vielmehr dazu bei, dass sich die spartiatische Bürgerschaft selbst zu Helden stilisieren konnte. Mitglieder der Königsfamilien, die an der rituellen paideia teilnahmen, waren Quasi-Spartiaten, aber zugleich prominenter als die Vollbürger. Spartiaten, welche die paideia absolviert hatten, gründeten ihre eigene soziale Weltanschauung auf der Nähe zu diesen Herakliden-‹Prinzen› mit königlicher Abstammung. Als Gruppe von Personen mit einzigartiger gesellschaftlicher Position waren diese ‹Prinzen› der soziale Klebstoff, der die Königshäuser mit dem spartanischen Staatswesen insgesamt verband.
Schlagwörter:
Sparta, Königtum, Dyarchie, ‹Prinzen›, agoge, paideia, Eurypontiden, Agiaden