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Dachterrakotten aus Olympia
Geochemische Untersuchungen an Proben in der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Einleitung
1Die Schatzhäuser in Olympia bilden eine prominente Gruppe architektonisch gestalteter Weihgaben[1]. Sie wurden im 6. Jh. v. Chr. von einer Reihe griechischer Städte – darunter meist Kolonien im Westen des Mittelmeeres – errichtet, um in ihnen kostbare Votive aufzubewahren und zur Schau zu stellen[2]. Die Terrasse, auf der sie stehen, schließt das Zeusheiligtum nach Norden hin ab und bietet für den Zugang zum Stadion eine markante Kulisse. Obwohl von ihnen bedeutende Überreste erhalten sind und sie überdies in die Beschreibung des Heiligtums durch Pausanias (6, 19, 1–15) eingingen, bleibt bis heute eine Reihe von Fragen offen. Eine neueren Ansprüchen der Bauforschung genügende Dokumentation wurde von Klaus Herrmann in Angriff genommen und dazu liegen einige Vorberichte aus seiner Feder vor[3]. Die Arbeiten werden jetzt durch Markus Wolf weitergeführt[4].
2Ähnlich wie die Architekturteile aus Stein sind viele Fragmente der Dachterrakotten, die mit den Schatzhäusern in Verbindung gebracht werden, nur in geringem Umfang innerhalb oder in der Nähe der ursprünglichen Bauwerke entdeckt worden. Offenbar hielten die Dächer nur einige Generationen und wurden als Baumaterial für spätere Gebäude auch noch bis in die spätrömische Zeit hinein sekundär verwendet[5]. Hierdurch wird die Zuweisung der Dachziegel an bestimmte Gebäude erschwert und daraus ergaben sich teilweise langwierige und bis heute anhaltende Diskussionen. Eine Verbindung zwischen Gebäude und Dach beruht in aller Regel auf typologischen und stilistischen Vergleichen mit Bauwerken aus dem griechischen Kernland, Unteritalien und Sizilien in Verbindung mit der topographischen Reihenfolge der Schatzhäuser und den Beschreibungen des griechischen Geographen Pausanias aus dem 2. Jh. n. Chr. Erschwert wird es zusätzlich dadurch, dass einige Bauten schon in der Antike neu errichtet oder stark verändert wurden, wobei sich Fundamente überlagerten.
3Die Dachterrakotten aller Bauten aus Olympia wurden durch Joachim Heiden 1995 umfassend neu behandelt[6]. Aus den gerade genannten Indizien versuchte er für die Dächer, für die es ihm möglich schien, eine Zuweisung zu den Schatzhäusern (Fundamente I bis XII) vorzunehmen. Die Dachterrakotten der Schatzhäuser waren schon in der Olympiapublikation veröffentlicht und danach immer wieder auch einzeln untersucht worden. Zuletzt hat Maria Oberberg-Mavrudis den Forschungsstand zu den Schatzhäusern inklusive der Zuweisungen der Dächer und ihre Datierungen zusammengestellt[7]. Aus diesen Fragen ergab sich als weiteres Problem, an welchem Ort sie produziert wurden. Heiden unterschied dabei mehrere Möglichkeiten. Die korinthischen Dächer wurden »in der Regel von korinthischen Wanderhandwerkern hergestellt«, während die westgriechischen Dächer mit einer Ausnahme »alle von italischen oder sizilischen Werkstätten in der Heimat oder in Olympia gefertigt« wurden[8].
4Das Dach des Schatzhauses von Gela (Abb. 1) ist von einer Werkstatt aus der Polis in Sizilien in Olympia mit Materialien von der Insel produziert worden[9]. Allerdings wäre hier zu klären, wie es mit der Situation in Gela selbst steht, denn dort wurden unterschiedliche Werkstätten ausgemacht, die möglicherweise auch lokal Dachterrakotten oder Einzelstücke in das Hinterland Siziliens – etwa nach Monte San Mauro – oder nach Rom exportierten[10]. Für das Schatzhaus von Selinunt ist es ungewiss, da nach dem Augenschein der Ton nicht nach Olympia weist, die Formen aber nach Sizilien (Abb. 3. 4)[11]. Die ›Hörnerdächer‹ einiger achäischer Städte Unteritaliens zeigen wiederum typologisch gut vergleichbare Gestaltungsweisen und weisen auch im Ton offenbar ähnliche Qualitäten auf[12].
5Die Frage wird in aller Regel nach der Beschaffenheit des keramischen Materials entschieden[13]. Für Madeleine Mertens-Horn ist dessen Eigenart etwa ein weiterer Grund, dass das Dach des Schatzhauses von Selinunt in Olympia selbst hergestellt wurde[14], und analog nimmt sie eine davon unabhängige Werkstatt aus den Achäerstädten Unteritaliens an, »die diese drei Dächer in Olympia geschaffen hat«[15].
6Für Unteritalien und Sizilien hatte schon Volker Kästner etwa aus Ofenresten im Heiligtum der Aphrodite in Naxos geschlossen, dass »die Anfertigung von Dachterrakotten am Bauplatz selbst« zu vermuten sei[16]. Allerdings konzentrierte sich das Töpferviertel von Naxos auch in diesem Bereich, soweit es aus den Grabungen zu erkennen ist. Dabei wurden auch unterschiedliche Reste an Baukeramik gefunden, aber die Öfen andererseits kaum speziell für die Verfertigung der Dächer des Tempels errichtet[17]. Auch aus Olympia selbst sind Töpferöfen im Umkreis der Palaestra, vorerst allerdings nur aus späterer Zeit bekannt[18].
7Die Suche nach dem Ort der Produktion ist vielschichtig und enthält verschiedene Facetten. Seinerzeit hatte sich Charles K. Williams skeptisch zum Handel der Dachterrakotten aus Korinth über große Strecken geäußert und schloss in diesem Zusammenhang Exporte in so großen Mengen, dass sie für ein Dach ausreichen, aus[19]. Nach seinen Ausführungen wurden Dachterrakotten aus Korinth in größeren Quantitäten lediglich nach Delphi exportiert[20]. Aber auch dort sind spätestens seit hellenistischer Zeit lokale Werkstätten inschriftlich bezeugt[21]. Ulf Weber führte zusammenfassend die Löwensima am Dach des Tempels A in Kalydon an, deren Fertigung durch »korinthische Wanderhandwerker am wahrscheinlichsten ist«[22] und die also ebenfalls nicht in Korinth selbst produziert wurden, denn man fand Fehlbrände vor Ort – ob von Dachterrakotten wird aber nicht explizit gesagt[23]. Andererseits sind Schiffswracks mit Ladungen von Dachterrakotten schon für archaische Zeit gut bezeugt[24]. Eine pauschale Antwort, in welchem Umfang Dachterrakotten über lange Strecken transportiert wurden, ist also vorerst nicht möglich.
8In Olympia wurde für plastische Werke aus Ton ebenfalls häufig eine Herkunft des Materials aus Korinth vermutet, aber Aliki Moustaka wies darauf hin, dass archäometrische Analysen vorerst zu keinen klaren Zuweisungen geführt haben[25]. Sie selbst trennt deshalb fünf verschiedene Tongruppen, ohne dass sich daraus Zuweisungen an bestimmte, regional gebundene Produktionen ableiten lassen[26].
9Andererseits gibt es offenbar Ziegeleien, die eine größere Region versorgen, wie Rainer C. S. Felsch mit Hilfe von Stempeln für die Produktion im östlichen Mittelgriechenland schon für die archaische Zeit dargelegt hat[27]. Es handelte sich um »größere Betriebe mit vielschichtigem Arbeitsablauf«, die »von wenigen oder einem Zentrum aus … einen großen Abnehmerkreis« belieferten[28]. Dies könnte mit der zuvor geschilderten Beziehung zwischen Korinth und Delphi strukturell übereinstimmen. Die Werkstätten waren wohl nicht zuletzt auch deshalb so effizient, weil sie arbeitsteilig operierten, was Felsch aus den vier unterschiedlichen Serien von Stempeln auf den archaischen Ziegeln des Tempels in Nemea herleitete[29].
10Die Dächer der Schatzhäuser könnten dennoch eine Ausnahme darstellen, da die Architektur als Gabe an die Gottheit verstanden wurde, die weniger als Handelsgut anzusehen ist. Immerhin wurde für das Schatzhaus der Sikyonier sogar das Steinmaterial aus der weihenden Polis herangeschafft[30]. Allerdings war es dort nicht für den Bau schon fix und fertig vorbereitet worden, wie es noch Wilhelm Dörpfeld vermutet hatte[31]. Denn Klaus Herrmann konnte verschiedene Zählungssysteme unter den Versatzmarken unterscheiden[32]. Das hätte bei einer Überführung vorgefertigter Blöcke kaum einen Sinn ergeben.
11In der Frage nach dem Ort der Produktion der Dächer spielt die Bestimmung der Herkunft des Tones eine entscheidende Rolle. Dessen Eigenarten wurden zwar immer wieder und teilweise sehr genau beschrieben[33]. Aber Heiden hat darüber hinaus deutlich herausgestellt, auf welche Schwierigkeiten eine makroskopische Einordnung des Tones stößt. Gründe für das deutlich abweichende äußere Erscheinungsbild der Stücke aus denselben Serien reichen von der unterschiedlichen Lagerung im Boden, was durch die breite Streuung der Fragmente in der Altis die Ausgangssituation darstellt, bis hin zu unterschiedlichen Ergebnissen bei der Verarbeitung und beim Brennen[34].
12Ein weiteres Kriterium bilden Versatzmarken, die sich in ihren Eigenschaften deutlich unterscheiden. Für das Schatzhaus der Geloer in Olympia wurde etwa ein in der Heimatstadt geläufiges Alphabet gewählt[35]. Allerdings ist es kein eindeutiges Kriterium, denn ›wandernde‹ Töpfer werden die Formen der Beschriftung mitgenommen haben, wofür der gerade erwähnte Befund in Kalydon ein Beispiel gibt[36].
13Aus dieser Lage erwuchs der Wunsch, die Herkunft der Tone anhand naturwissenschaftlicher Methode zu prüfen, um zu sehen, wie weit es zu belastbaren Ergebnissen führt. Die hier vorliegende Untersuchung versteht sich als Teststudie. Als Proben dienten ausgewählte Dachterrakotten der Schatzhäuser aus Olympia, die nach Ende der Grabungen 1882 über die Fundteilung in die Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin gelangten[37]. Aus dem Bestand sollen vor allem die Dächer der westgriechischen und sizilischen Koloniestädte untersucht werden, also Gela (Abb. 1. 2), Metapont (Abb. 5. 6), Selinunt (Abb. 3. 4), Sybaris und Syrakus . Hinzu kommt noch das an der Adria gelegene Epidamnos (Abb. 8).
14Als Untersuchungsmethode wurde eine Beprobung mit der nicht invasiven, portablen energiedispersiven Röntgenfluoreszenzanalyse (P-ED-RFA) durchgeführt. Sie hat sich u. a. in langjährigen Untersuchungen zu keramischen Produkten z. B. in Selinunt bewährt[38]. Deshalb boten sich die Dachterrakotten des Schatzhauses von Selinunt (Abb. 3. 4) als Ausgangspunkt der Untersuchung an, denn für die Polis im Westen Siziliens steht für unterschiedliche Arten der Fein- und Grobkeramik sowie Tonproben eine große Menge an Daten als Grundlage zur Verfügung.
15Nach den Ergebnissen in Selinunt und auch anderswo besteht die Hoffnung, dass mit der Röntgenfluoreszenzanalyse Unterschiede oder Übereinstimmungen zwischen den einzelnen Gruppen an Dachterrakotten deutlich werden. Die Grundlage bilden nach der Aufstellung bei Heiden insgesamt 39 Stücke, die bei ihm übersichtlich aufgelistet sind, allerdings alle Exemplare auch über die Schatzhäuser hinaus umfasst[39]. Diese sind in der Liste unter Nr. 4 (Megara Nisaia, Abb. 7), Nr. 6 (Vorhalle des Schatzhauses von Gela, Abb. 2), Nr. 38–40 (achäische Städte, Abb. 9. 10), Nr. 41 (Gela, Abb. 1), Nr. 42 (Selinunt, Abb. 3) und Nr. 46 (Epidamnos, Abb. 8) präsent. Für eine vergleichende Auswertung der geochemischen Daten und zur Überprüfung der archäologischen Baukeramikgruppen wurden zusätzlich mehrere Proben an anderen Dachterrakotten aus Olympia durchgeführt.
Geochemische Untersuchung von Baukeramik
16Bei der Erforschung der griechischen und römischen Antike finden naturwissenschaftliche Keramikanalysen seit mehr als 50 Jahren erfolgreich Anwendung[40]. Während die meisten Untersuchungen auf die Herkunftsbestimmung und Herstellungstechnik von Gefäßkeramik fokussiert sind, wird seit den 2000er Jahren in zunehmendem Maße die Baukeramik in die Analysen einbezogen. Die besondere analytische Herausforderung besteht in der Heterogenität der in vorindustrieller Zeit zur Baukeramikherstellung verwendeten Tonmassen. Diese sind in der Regel nicht so intensiv und fein aufbereitet worden wie diejenigen, die für die Produktion von Gefäßkeramik verwendet wurden, da im Vergleich hierzu nicht so umfangreiche Tonmengen benötigt wurden wie z. B. bei der Herstellung von Ziegeln.
17Dennoch können mit Hilfe der geochemischen Zusammensetzung auch für Baukeramik beispielsweise bekannte Produktionsorte charakterisiert und Referenzgruppen erstellt werden[41]. Durch den Vergleich von einzelnen Baukeramikartefakten unterschiedlicher Bauwerke von unterschiedlichen Fundstellen mit den für diese erarbeiteten Referenzgruppen lässt sich ermitteln, ob die Stücke z. B. am Ort hergestellt oder importiert wurden. Besonders im Hinblick darauf, dass für Baukeramik zur Errichtung von Gebäuden und Dächern viele Tonnen an Rohton benötigt werden und geeignete Lagerstätten nicht unbedingt in der Nähe der Siedlungen und Städte vorhanden sind, kann es vorkommen, dass entweder die Produkte über viele Kilometer zum Verwendungsort transportiert oder die benötigten Rohstoffe über größere Entfernungen bezogen wurden[42]. Deshalb ist die geochemische Herkunftsbestimmung ein wichtiges Instrument zur Beantwortung von wirtschafts- und technikarchäologischen Fragen hinsichtlich von Produktion, Distribution und Konsumption dieser Keramik. In der Kombination von Herstellungstechnik, Formen und Verzierungen an den Baukeramiken kann ebenfalls untersucht werden, inwiefern etwa Handwerker mit ihren Fertigkeiten und Ideen zwischen Orten migrierten, wenn – wie am Ende in Olympia – festgestellt werden kann, dass zwar lokale Tonvorkommen verwendet wurden, jedoch die Formen und Verzierungen aus anderen Regionen stammen.
Fragestellung und Materialgrundlage
18In den vergangenen 20 Jahren wurden durch verschiedene internationale Arbeitsgruppen geochemische Referenzgruppen zu griechischen Städten auf Sizilien erarbeitet[43]. So liegen entsprechende Daten aus Röntgenfluoreszenzanalysen für die in dem hier vorgestellten Projekt interessierenden Städte Selinunt (Abb. 3. 4), Gela (Abb. 1), und Syrakus vor[44]. Da diese Referenzgruppen nicht nur Proben von Gefäßkeramiken enthalten, sondern auch Ziegel und lokal vorkommende Tone sowie Lehme, sind sie sehr gut geeignet, um die zentrale Frage zu beantworten, ob Baukeramiken aus diesen Stifterstädten nach Olympia transportiert und dort verbaut wurden. Für Olympia und die Region (bes. für die Stadt Elis) liegen Daten aus den wellenlängendispersiven Röntgenfluoreszenzanalysen zu Tonen, Lehmen und Keramik der Arbeitsgruppe Archäometrie in Berlin vor, sowie Messergebnisse basierend auf Neutronenaktivierungsanalysen der Arbeitsgruppe Bonn, die zumindest für einige Elemente als Vergleich herangezogen werden können[45]. Die Grundlagen für den Vergleich der geochemischen Daten von Dachterrakotten aus Olympia sowohl mit lokalen oder regionalen Referenzproben als auch mit solchen Referenzen für die Städte von Sizilien, die Schatzhäuser in Olympia besaßen, sind somit gegeben.
19Die im Projekt »Herkunftsbestimmungen zu den Terrakottadächern der Schatzhäuser in Olympia« durchgeführten Untersuchungen wurden von der Frage motiviert, inwiefern die im Alten Museum in Berlin aufbewahrten und zum Teil in der Dauerausstellung gezeigten Dachterrakotten der Schatzhäuser von Selinunt, Gela und Epidamnos[46] direkt aus den Stifterstädten importiert oder lokal in Olympia produziert wurden. Hierzu wurden an zwei Tagen insgesamt 27 Fragmente von 12 Dächern analysiert (Abb. 15)[47]. Darunter befinden sich zu Vergleichszwecken ein Flachziegel vom Hera-Tempel in Olympia (Abb. 12), ein Antefix des Leonidaion (Abb. 13) und eine Giebel-Sima vom Kalabaktepe-Tempel in Milet (Abb. 14. 15)[48]. Hinzu kommt ein Miniatur-Puteal mit vermuteter Herkunft aus Syrakus. Die größte Anzahl an Terrakottafragmenten wurde vom Dach des Schatzhauses von Gela untersucht (Abb. 1). Für dieses Dach besteht in der Forschung weitgehender Konsens, dass es zu Fundament XII der Schatzhausterrasse gehört und damit zur Stifterstadt Gela[49]. Von dem Dach, das der Stadt Selinunt (Schatzhausfundament IX) zugewiesen wird[50], konnten drei Terrakotten analysiert werden (Abb. 3. 4), ebenso für das Dach des Schatzhauses von Epidamnos (Fundament III oder IV, Abb. 8)[51]. Die übrigen Dächer konnten lediglich mit ein bis zwei Exemplaren untersucht werden.
Analyse- und Auswertungsmethoden
20Die geochemischen Analysen an den 24 ausgewählten Dachterrakotten, den zwei Vergleichsterrakotten vom Hera-Tempel und dem Leonidaion, sowie den beiden zusätzlich gemessenen Stücken vom Kalabaktepe-Heiligtum aus Milet und dem Puteal aus Syrakus (?) wurden mit der portablen energiedispersiven Röntgenfluoreszenzanalyse (P-ED-RFA) durchgeführt. Das Verfahren wird am Institut für Archäologische Wissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main seit 2008 evaluiert und in Projekten zu Keramik-, Gestein- und Bodenanalysen eingesetzt. Die Methode wurde bereits mehrfach ausführlicher beschrieben[52], weshalb hier lediglich die wichtigsten Parameter skizziert werden. Die P-ED-RFA wird als Verfahren zur qualitativen und quantitativen chemischen Multi-Elementbestimmung von anorganischen Materialien innerhalb eines weiten Anwendungsspektrums eingesetzt. Die heutigen Instrumente erlauben es, in Museumsdepots, Magazinen oder auf Ausgrabungen innerhalb kurzer Zeit zerstörungsfrei an Objektoberflächen oder präparierten Stellen zu messen, ohne dass, wie bei anderen Verfahren, eine Materialentnahme im Labor mit anschließender Homogenisierung durch Pulverisieren und Schmelzen notwendig ist. Hierdurch ist die P-ED-RFA relativ zeit- und kostensparend. Innerhalb des hier vorgestellten Projekts kam das neuere portable Messgerät des Instituts für Archäologische Wissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main zum Einsatz. Dabei handelt es sich um das Röntgenfluoreszenzspektrometer Vanta M der Firma Olympus[53].
21Die Messungen können prinzipiell unmittelbar mit der ab Werk anhand eines Sets von internationalen Standards vorgenommenen Kalibration durchgeführt werden. Es empfiehlt sich jedoch eine weitere empirische Feinkalibration für die Anwendung an Keramikproben durchzuführen. Diese wird notwendig, da meist nicht an aufbereiteten und dadurch homogenisierten Pulverproben gemessen wird, sondern im Falle von archäologischer Keramik in der Regel an frisch erzeugten Brüchen. Hierdurch treten stärkere Matrixeffekte auf, vor allem auf Grund der zerklüfteten Oberfläche des Bruchs und insbesondere der Poren. Deshalb wird das Spektrometer im Modus »GeoChem« vor dem Ersteinsatz und regelmäßig zur Kontrolle mit 140 Proben unterschiedlicher Fein- und Grobkeramik, die bereits im Labor mittels wellenlängendispersiver RFA (WD-RFA) gemessen worden sind, über den Vergleich von Soll- zu Istwerten kalibriert[54]. Nur durch die entsprechende Feinkalibration sind die generierten Resultate mit bereits durch andere Messmethoden ermittelten Probenserien vergleichbar. Zurzeit können mit der Konfiguration des Spektrometers neun Haupt- (Si, Ti, Al, Fe, Mn, Mg, Ca, K, P) und 14 Spurenelemente (S, V, Cr, Cu, As, Ni, Zn, Rb, Sr, Y, Zr, Nb, Ba, Pb) präzise bestimmt und für die Auswertung verwendet werden[55]. Vom Gerät werden sämtliche Elemente in parts per million (ppm) angegeben. Die Hauptelemente werden anschließend in Gewichtsprozente ihrer Oxide (Gew.%) umgerechnet und auf 100 % normiert. Eisen wird als Gesamteisen Fe₂O₃ berechnet.
22Die Analysen erfolgten in geschlossenen Räumen bei einer Zimmertemperatur zwischen 25 und 28 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von ca. 50 %. Die untersuchten Terrakotten waren entweder im Alten Museum in der Dauerausstellung montiert oder in Kisten im Depot des Archäologischen Zentrums gelagert. Die Stücke in der Dauerausstellung wurden vor der Messung mit einem Pinsel und einem Staubsauger gereinigt. Die Messungen erfolgten bevorzugt an bereits vorhandenen Bruchstellen oder bestoßenen Kanten. Die meisten davon sind wahrscheinlich im Zuge der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit durch die Transporte von Berlin nach Russland und zurück nach Berlin entstanden. Neben den Analysen an dem Kernmaterial, die mit dem Messspot des Gerätes von 1 cm Durchmesser erfolgten, wurden auch vereinzelt die feineren, als Malgrund dienenden Engoben und die Farbschichten mit Hilfe der Kollimation des Messspots auf 3 mm Durchmesser gemessen. Diese stehen jedoch nicht im Fokus dieses Beitrags und wurden bei den multivariaten statistischen Auswertungen ausgelassen. Es wurde bei den Messungen darauf geachtet, dass kein durch die Bodenlagerung anhaftendes Fremdmaterial an der Keramikoberfläche mit analysiert wurde. Deshalb konnten vier Terrakotten nicht beprobt werden[56]. Es wurde versucht, bei allen Stücken mindestens an drei unterschiedlichen Stellen zu messen (Abb. 16)[57]. Es ist bei stark gemagerten Keramiken üblich, aus den Einzelmessergebnissen der Mehrfachmessungen den Mittelwert zu bilden. Hierauf wurde aus Gründen der besseren Darstellbarkeit und Wahrnehmung der Streuung von Konzentrationen eines Objektes verzichtet. Bei den multivariaten statistischen Analysen wurden Messungen auf den Malschichten, Engoben, und Messungen auf Magerungspartikel nicht mitberücksichtigt, da diese nicht zur Beantwortung der Frage nach der Provenienz beitragen. Die Messzeit betrug pro Einzelmessung 150 Sekunden. In der Auswertung wurden die Mittelwerte verwendet, jedoch im Hinblick auf die Beurteilung der Messwertstreuung auch die zugrundeliegenden Einzelmesswerte. Die Messergebnisse sind als csv-Tabelle über iDAI.repo (https://doi.org/10.34780/vhr3-nq37) zugänglich.
23In der Regel werden Datensätze, die mit unterschiedlichen Analyseverfahren, wie z. B. wellenlängendispersive Röntgenfluoreszenzanalysen (WD-RFA), Laser Ablation-Inductively Coupled Plasma-Mass Spectrometry (LA-ICP-MS) oder Instrumentelle Neutronenaktivierungsanalyse (INAA) gemessen wurden, nicht zusammen statistisch ausgewertet. Grund hierfür sind die unterschiedlichen chemischen Elemente, die mit den Verfahren messbar sind[58]. Während mit der WD-RFA und auch der P-ED-RFA im Schwerpunkt die Hauptelemente und einige Spurenelemente messbar sind, werden (LA)-ICP-MS und INAA für die präzise Spurenelementanalyse, besonders der Seltenen Erden, eingesetzt. Da jedoch alle Verfahren auf einer empirischen Kalibration der Messinstrumente mit zum Teil den gleichen, internationalen Referenzstandardproben beruhen, sind die Messergebnisse für die gleichen Elemente prinzipiell zwischen den Methoden kompatibel. Gleichwohl können, wenn keine Ringversuche zwischen den Laboren bzw. den dort verwendeten Instrumenten vorliegen, kleinere systematische Messabweichungen vorkommen. Dies ist bei der statistischen Auswertung zu berücksichtigen.
24Die Auswertung erfolgte mit Hilfe von Streudiagrammen, in denen für zwei Elemente die Konzentrationen der analysierten Messstellen gegenübergestellt werden. Auf diese Weise können Gruppen und Elementverhältnisse erkannt werden. Darüber hinaus wurden Hauptkomponentenanalysen durchgeführt, um zu ermitteln, wie ähnlich Proben zueinander sind, und anschließend Diskriminanzanalysen, bei denen geprüft wird, wie unterschiedlich Gruppen zueinander sind und inwiefern Einzelproben zu einer der Gruppen gehören.
Geochemische Charakterisierung der Terrakotten
Mögliche Veränderungen der Probenzusammensetzung durch Bodenlagerung und andere Einflüsse
25Wie bereits beschrieben, sind die Messungen an rezenten Bruch- und abgeriebenen Stellen vorgenommen worden[59]. Auf diese Weise wurden keine Bereiche analysiert, die durch die jahrhundertelange Bodenlagerung Versinterungen an der Oberfläche aufweisen und die heute noch – je nach Reinigung der Stücke – an vielen Partien als gräulich-brauner Belag sichtbar sind. Gleichwohl ist bekannt, dass Stoffe aus den Bodensubstraten auch tiefer in offene Poren von Keramiken eindringen können. Deshalb ist bei den Messungen mit der P-ED-RFA zu überprüfen, ob außergewöhnliche Messwerte besonders für Calciumoxid, Eisenoxid und Manganoxid vorhanden sind. Auf Grund der Kriegsereignisse während des Zweiten Weltkriegs in Berlin und der damit verbundenen Auslagerung des Fundmaterials in Bunker wurde darauf geachtet, ob eventuell durch den Einsatz von Munition die Metalle und Schwermetalle in erhöhten Konzentrationen auf den Proben vorkommen.
26Die einzelnen Messergebnisse der Dachterrakotten zeigen keine anomal höheren Gehalte von Mangan- oder Eisenoxid (Abb. 16). Auffällig sind hingegen die Unterschiede zwischen Oberfläche und dem Kernmaterial der Terrakotten bei den acht durchgeführten Messungen auf den antiken Farbengoben (Abb. 17)[60], mit deren Hilfe die Schauseiten polychrom gestaltet wurden. Es zeigt sich, dass die schwarzen Farbflächen mit einer Engobe, die einen hohen Anteil an Mangan-Mineralen enthält, hergestellt wurden[61]. Die Konzentrationen von Manganoxid reichen von 2,9 bis 11,7 Gew.-%, während die Gehalte der Terrakotten bei 0,09 bis 0,5 Gew.-% liegen. Die intensive Rotfärbung wurde hingegen durch Zugabe von Eisen-Mineralen bewerkstelligt. Die für die Terrakotten verwendeten Tonmassen enthalten 5,7 bis 13 Gew.-% Eisenoxid, die roten Engoben hingegen 12 bis 28 Gew.-%.
27Die Calciumoxid-Gehalte variieren an den Messstellen zwischen 5,5 und 29 Gew.-%, wobei die einzelnen Bauteile geringere Streuungen zwischen 10 Gew.-% aufweisen (Abb. 17). Extrem hohe Calciumoxid-Werte mit 35,1 und 40,5 Gew.-% zeigen zwei Proben[62]. Hierbei handelt es sich jedoch um die heterogene Verteilung der in der Tonmasse verschiedener Terrakotten auftretenden Mollusken, die teilweise an der Oberfläche bis zu einer Größe von 5 mm sichtbar sind[63].
28Etwaige Kontaminationen durch Metalle und Schwermetalle können mit Ausnahme der Engobemessungen 1549x-05 (Cr = 857 ppm) und 1635x-12 (Cu = 268 ppm) an den untersuchten Stücken nicht nachgewiesen werden. Offenbar gab es keine Kontamination durch die Einwirkung von Munition.
29Unerwartet hoch sind die Konzentrationen für Schwefel, die an allen Messpunkten festgestellt wurden (Abb. 18). Die Werte reichen von 1440 ppm bis 9,2 % (91.883 ppm). Im Verhältnis zu Calciumoxid und Strontium ergeben sich für einzelne Terrakottastücke und -gruppen eindeutige positive wie auch negative Korrelationsgeraden. Deshalb ist davon auszugehen, dass es sich nicht um eine zufällige Kontamination durch die Brennvorgänge bei der Herstellung der Terrakotten (Abb. 19) oder z. B. ein Schadensfeuer während des Zweiten Weltkriegs handelt, sondern ein Zusammenhang mit den Kalkkomponenten in den Tonmassen besteht.
Allgemeine geochemische Charakterisierung der analysierten Proben
30Die untersuchten Terrakotten weisen hinsichtlich ihrer geochemischen Zusammensetzung eine hohe Diversität auf. Besonders die Hauptkomponenten der Tonmassen, nämlich Sand/Silt in Gestalt von SiO₂, Ton in Form von Al₂O₃ und Kalk in Gestalt von CaO, kommen in sehr unterschiedlichen Anteilen vor. Einzelne Gruppen bzw. einzelne Terrakotten lassen sich hierdurch bereits voneinander differenzieren. So sind die analysierten Objekte des Schatzhauses von Selinunt durch hohe SiO₂-Gehalte zwischen 60 und 70 Gew.-% charakterisiert, die sonst von nur wenigen gemessenen Stücken erreicht werden (Abb. 19). Sehr hohe Tonanteile weist beispielsweise Messstelle 1606x-01 auf, ein Sima-Fragment des Schatzhauses von Metapont (Abb. 5. 6). Mit Ausnahme der Proben der Schatzhäuser von Selinunt (Abb. 3. 4) und Byzanz (Abb. 11) streuen bei allen anderen analysierten Stücken die Messwerte für Calciumoxid. Die höchsten Konzentrationen weisen die Proben 1549x (Schatzhäuser Achäische Städte, Abb. 9. 10) und 1640x ( Schatzhaus von Megara , Abb. 7) auf (Abb. 17).
31Neben den hohen SiO₂-Gehalten der Proben des Selinuntiner Schatzhauses besitzt die Gruppe zusätzlich die niedrigsten Fe₂O₃-Konzentrationen, die innerhalb des Projektes gemessen wurden (Abb. 16). Durch die geringere Menge an Eisen fallen die Proben auch optisch durch ein helleres Erscheinungsbild der Keramik auf.
32Auf der Grundlage von Hauptkomponenten- und Diskriminanzanalysen zeigt sich in der gemeinsamen statistischen Auswertung von Haupt- und Spurenelementen, dass sich die Terrakotten-Gruppen der verschiedenen untersuchten Schatzhausdächer deutlich voneinander unterscheiden lassen (Abb. 20)[64]. Dies ist ein Beleg dafür, dass zur Herstellung der Dachterrakotten eines Bauwerks unterschiedliche Tonmassen mit unterschiedlichen Aufbereitungs- und Magerungsrezepturen verwendet wurden, um für die Endprodukte ein optimales Ergebnis zu erzielen (Abb. 20). Wahrscheinlich spiegeln sich in diesem Befund verschiedene handwerkliche Töpfertraditionen wider. Ein gemeinsames Cluster bilden die dem Schatzhaus von Gela zugeschriebenen Stücke (Abb. 1), die der Vorhalle des Geloer Schatzhauses und ein Traufziegel ohne Zuweisung (vgl. Abb. 20)[65].
33Der geochemische Fingerabdruck der jeweiligen Terrakotten-Gruppen pro Gebäude ist so charakteristisch, dass es zukünftig möglich sein wird, durch geochemische Analysen auch stark fragmentierte Stücke ohne Dekor der ursprünglichen Gruppe sicher zuzuweisen. Auf diese Weise könnte das vorhandene Fundmaterial, das sich in verschiedenen Museen und Depots befindet, wieder den ursprünglichen Dächern zugeordnet werden.
Lokale Produktion von Dachterrakotten in Olympia und mögliche Importe aus den Stifterstädten der Schatzhäuser
34Die zentrale Frage, ob die Dachterrakotten der verschiedenen, in dem hier vorgestellten Projekt untersuchten Schatzhäuser lokal oder regional in Olympia angefertigt oder aus den Heimatstädten nach Olympia gebracht wurden, lässt sich durch die intensive Erforschung der Keramik und Tonressourcen in den westgriechischen Kolonien inzwischen durch die Vielzahl an erarbeiteten Referenzgruppen gut beantworten[66]. Die erhobenen Daten zu den Dachterrakotten wurden zunächst mit den mittels wellenlängendispersiver und energiedispersiver Röntgenfluoreszenzanalyse an antikem Töpfereimaterial erstellten (Abb. 21) Referenzgruppen von Selinunt (Abb. 3. 4)[67], Gela (Abb. 1)[68], und Syrakus[69] verglichen. Keines der beprobten Stücke weist geochemische Übereinstimmungen mit diesen drei Referenzgruppen auf, die sich wiederum gegenseitig voneinander abgrenzen lassen (Abb. 21). Eine Verbindung zwischen den für die Dachterrakotten des vermuteten Schatzhauses von Selinunt (Abb. 3. 4) verwendeten Tonmassen und der Referenzgruppe für Selinunt, bestehend aus lokaler Keramik und Tonen, ist nicht vorhanden. Das Gleiche gilt für die Terrakotten, die wahrscheinlich zum Schatzhaus von Gela gehören, und die Referenzgruppe für Gela. Vielmehr zeigt sich in der Diskriminanzanalyse, dass sich die beprobten Terrakotten, mit Ausnahme der Stücke von Metapont (Abb. 5. 6) und dem Ziegel vom Hera-Tempel (Abb. 12), zu einer gemeinsamen Gruppe formieren. Dies bedeutet, dass für die Herstellung der Dachterrakotten ähnliche Tone aus einer Ortschaft oder Region verwendet wurden. Da in die Gruppe die Messung der analysierten Terrakotte vom Leonidaion fällt (Abb. 13), ist daraus zu schließen, dass die Gruppe der Dachterrakotten (ohne die Exemplare des Schatzhauses von Metapont und dem Stück vom Hera-Tempel) aus Tonen von Olympia oder der Region hergestellt wurde.
35Um diese Hypothese zu prüfen, wurden die Messergebnisse des Projekts mit Referenzdaten aus Olympia verglichen, die von verschiedenen Arbeitsgruppen mit Hilfe der instrumentellen Neutronenaktivierungsanalyse erstellt wurden[70]. Hinzu kommen Daten der Arbeitsgruppe Archäometrie in Berlin, die vor rund 40 Jahren zu den Materialien aus den Bronzegusswerkstätten in Olympia erstellt wurden[71]. Aus den beiden Elementspektren der RFA und INAA lassen sich am sichersten die Spurenelemente Chrom, Nickel, Zink, Rubidium, Strontium und Zirkon miteinander vergleichen. Dies ist zwar eine geringe Anzahl, jedoch sind die Elementmuster der Dachterrakotten und Referenzgruppen durch die unterschiedlichen Konzentrationen so charakteristisch für diese Elemente, dass ein Vergleich möglich ist. Im Streudiagramm Chrom gegen Nickel ist zu erkennen, dass die Referenzgruppen von Olympia und Umgebung mit den Terrakotten der Schatzhäuser von Gela, der achäischen Städte, Byzanz, Epidamnos und Megara deutlich übereinstimmen (Abb. 22). Die Messstellen an den Terrakottaproben des Selinuntiner Schatzhauses besitzen etwas niedrigere Nickel-Konzentrationen und separieren sich hierdurch von den zuvor besprochenen Terrakotten. Sie weisen jedoch die gleichen Gehalte von Nickel und Chrom auf wie die Referenzproben von Rohtonen und Lehmen, die von der Arbeitsgruppe Archäometrie Berlin in und um Olympia beprobt wurden. Die Messstellen der Probe vom Hera-Tempel und diejenigen der beiden Proben des Schatzhauses von Metapont weisen sehr niedrige Nickel- und Chrom-Konzentrationen auf und liegen hierdurch deutlich abseits des durch die Referenzen belegten Bereichs für Olympia und Umgebung. Die Herkunft der Tone für die Dachterrakotten dieser beiden Bauwerke ist ohne weitere Vergleichsanalysen zurzeit schwer einzuschätzen. Es ist zumindest im Fall des Hera-Tempels durchaus möglich, dass es sich um lokal genutzte Tonressourcen handelt, die noch nicht bei den verschiedenen Projekten durch Zufall beprobt wurden, da die übrigen Spurenelemente aus den Messungen an dem Stück deutliche Überschneidungen zu den Referenzen aufweisen.
36Die deutlichen geochemischen Unterschiede der untersuchten Dachterrakotten gegenüber den lokalen Referenzgruppen der drei Stifterstädte Selinunt (Abb. 3. 4), Gela (Abb. 1) und Syrakus einerseits sowie die Kongruenz mit den Referenzgruppen aus Olympia andererseits bedeuten, dass die in diesem Projekt analysierten Objekte mit Sicherheit nicht aus den betreffenden griechischen Städten nach Olympia exportiert, sondern in Olympia oder der dortigen Region gefertigt wurden. Somit liegt es nahe, dass die Aufgabe, ein Schatzhaus zu errichten und mit einem Ziegeldach auszustatten, von Architekten und vielleicht auch einzelnen Handwerkern aus den Stifterstädten in Verbindung mit Werkstätten in der Umgebung von Olympia oder in Elis erfolgte. In der Zusammensetzung der beteiligten spezialisierten Handwerker sind unterschiedliche Konstellationen denkbar[72].
37Die geochemischen Unterschiede zwischen den Dachterrakottagruppen weisen jedoch darauf hin, dass es nicht nur eine Werkstatt mit einer speziellen Herstellungsart gab, sondern dass die verschiedenen Stifterstädte möglicherweise nach eigenen Vorstellungen und Anforderungen an die Tonmassen ihre Werkstätten in eigener Regie betrieben. Durch die geochemischen Untersuchungen in der Arbeit von Matthias Lang konnte festgestellt werden[73], dass das ›Hörnerdach II‹ Olympia 3 aus lokalem Ton gefertigt wurde (Abb. 23)[74].
38Die Herstellung eigener Tonmassen wird neben dem makroskopischen Befund der erkennbaren Magerungskomponenten z. B. durch das Verhältnis der Anteile von Calciumoxid zu Strontium deutlich. Im Streudiagramm beider Elemente ist erkennbar, dass für die Terrakotten der verschiedenen Schatzhäuser zwei bis drei unterschiedliche Quellen für Calcium in den Tonmassen verwendet wurden, die zu jeweils anderen Korrelationen führen (Abb. 24). So bilden die Stücke des Selinuntiner Schatzhauses (Abb. 3. 4) und desjenigen von Gela (Abb. 1) sowie Byzanz (Abb. 11) eine Gruppe, diejenigen von Epidamnos (Abb. 8), Metapont (Abb. 5. 6) und der jünger als das Schatzhaus von Gela datierenden Vorhalle des selbigen zusammen mit dem Ziegel des Hera-Tempels (Abb. 12) und dem Antefix des Leonidaion (Abb. 13) eine zweite Gruppe, sowie die Exemplare der Schatzhäuser der achäischen Städte (Abb. 9. 10) mit Megara (Abb. 7) und der Balkenverkleidung unbekannter Herkunft eine dritte Gruppe.
39Beim derzeitigen Stand der Untersuchungen kann nicht entschieden werden, ob grundsätzlich verschiedene Tone bei Olympia oder aus der Region verwendet wurden oder ob die Tonmassen zur Herstellung der Ziegel von den Töpfermeistern durch Zugabe von Magerungsmitteln optimiert wurden. Die Magerungspartikel in den beprobten Keramiken legen dies jedoch nahe. Die Frage, ob die Magerungskomponenten vor Ort in Olympia oder der Region gewonnen werden konnten oder ob diese aus entfernteren Regionen nach Olympia gebracht wurden[75], kann ebenfalls noch nicht beantwortet werden. Hierfür wären Dünnschliff- und Röntgendiffraktionsanalysen notwendig, um die Mineralzusammensetzung detailliert bestimmen zu können. Zudem ist der Aspekt der Magerung mit organischen Materialien von Interesse, die makroskopisch an einigen Terrakotten anhand von erkennbaren größeren Poren zu vermuten sind[76].
40Aus konservatorischer Sicht ergibt sich ferner die Möglichkeit, durch die Messungen mit der P-ED-RFA undekorierte oder nicht eindeutig zuweisbare Terrakottafragmente wieder ihren ursprünglichen Dächern zuzuordnen.
Resümee
41Die Studie zeigt, dass heute mit geringem analytischem Aufwand zentrale Fragen zur Provenienz von Keramik beantwortet werden können. Innerhalb von zwei Arbeitstagen wurden 27 Dachterrakotten von 12 Dächern aus Olympia analysiert, die Daten mit bereits vorliegenden Referenzgruppen verglichen und die seit vielen Jahrzehnten kontrovers diskutierte Frage, wo die Dachterrakotten hergestellt wurden, weitestgehend beantwortet (Abb. 23).
42Der direkte Vergleich der Selinunt, Gela und Syrakus zugeschriebenen Schatzhausdächer mit den Referenzgruppen der betreffenden Orte ergab keinerlei Kongruenzen. Vielmehr bilden alle analysierten Terrakotten der Schatzhäuser von Olympia eine gemeinsame Gruppe. Diese stimmt mit vorhandenen Analysedaten von Keramiken und Tonen aus Olympia sowie der Region von Elis überein. Hieraus ist zu schließen, dass alle Dächer aus Tonen hergestellt wurden, die bei Olympia anstehen. Gleichwohl weisen die verschiedenen Dächer unterschiedliche geochemische Signaturen auf, so dass die Terrakotten untereinander differenzierbar sind.
43Der Unterschied liegt, soweit dies makroskopisch an den untersuchten Stücken zu erkennen war, an den sehr verschiedenen Arten der Magerungskomponenten[77]. Diese können Schamotte oder verschiedene Grobsande bis hin zu größeren Mollusken enthalten. Grundsätzlich bleibt bei allen keramischen Produkten die Möglichkeit bestehen, dass diese aus unterschiedlichen Tonen, sog. Massenversätzen, hergestellt wurden. Immerhin wurden die meisten Tone zunächst gereinigt und anschließend dahingehend zu einem Werkstoff umgewandelt, dass die gewünschten Eigenschaften des Produktes erfüllt werden konnten. Das geschah sicher auf unterschiedliche Weise. Die Zugabe von Magerungsbestandteilen führte zu einer Optimierung der materialspezifischen Eigenschaften. Beispielsweise konnten dadurch Trocken- und Brennschwindung, Wasseraufnahmefähigkeit, Porosität sowie Biege- und Zugfestigkeit, also insgesamt eine Verbesserung bei mechanischer Beanspruchung, beeinflusst werden. Ein ähnlicher Effekt konnte auch durch das Mischen von Tonen unterschiedlicher Eigenschaften erreicht werden. War ein Ton zu fett mit einem hohen Prozentsatz an plastischen Anteilen, konnte er mit einem mageren Ton versetzt werden. Für die Materialanalyse spielt dies zunächst nur eingeschränkt eine Rolle. Für Fragen hinsichtlich spezieller Rezepturen einzelner Werkstätten mag es eine ungleich größere Auswirkung haben[78].
44Ein gutes Beispiel geben die Untersuchungen der Architekturterrakotten aus Gela durch Antonella Santostefano, die die technologischen und handwerklichen Ähnlichkeiten zwischen den Exemplaren aus Gela, Syrakus und Leontinoi an eine »circolazione e ad una diffusione regionale di questa techne nel VI sec. a.C. e ad una mobilità delle materie prime, sia degli inclusi vulcanici che dei pigmenti« denken lässt. Für Agrigent hingegen konnte Annalize Rheeder anhand der Oberflächenbehandlung einen »technological style specific to the city« feststellen[79]. Die Formen des Austausches waren also sehr unterschiedlich und das wird jenseits von Sizilien auch für andere Regionen gelten.
45Die Verwendung des gleichen Ausgangstons, aber das Hinzugeben verschiedener Magerungsmittel lässt unterschiedliche Schlüsse zu. So können unterschiedliche Handwerkstraditionen hinter der Fertigung der Dachterrakotten stehen und die Herstellung kann in verschiedenen Werkstätten bzw. von verschiedenen Handwerkergruppen erfolgt sein. Es ist davon auszugehen, dass für die Herstellung eines Daches der gesamte dafür benötigte Rohstoff herbeigeschafft wurde. Die entsprechende Aufbereitung mag anschließend in mehreren Schritten erfolgt sein, sich aber in ihren Grundzügen nicht unterschieden haben. Vielmehr muss bereits vorher das Aufarbeiten der Tone vom Rohstoff zum Werkstoff festgelegt gewesen sein. Nur so konnte sichergestellt werden, dass das Ergebnis den Vorstellungen entsprach. Oft mussten die Tone noch altern, d. h. für längere Zeit eingesumpft werden, um ihn aufspalten und anschließend besser homogenisieren zu können. Ein wahrscheinliches Szenario auf der Grundlage der in diesem Projekt erzielten Ergebnisse ist, dass Architekten und Handwerksmeister nach Olympia kamen und dort mit eigenen Musterbüchern und Formen sowie Rezepturen für die Aufbereitung von Tonmassen die Dachterrakotten in Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern herstellten[80]. Über die lokalen Handwerker waren die jeweiligen Rahmenbedingungen vor Ort bekannt.
46Die Untersuchungen mit Hilfe der P-ED-RFA werfen weitere Fragen auf. Diese zielen besonders auf die Herstellungstechnik. Wenn sich auf Grund der durchgeführten Studie zeigt, dass offenbar unterschiedliche handwerkliche Traditionen durch die Magerungsmittel greifbar werden, so sollte zukünftig mittels Dünnschliff- und Röntgendiffraktionsanalysen versucht werden, die Keramikmatrices detaillierter zu beschreiben und die Mineralzusammensetzung zu bestimmen. Hierdurch sind weitere Erkenntnisse zu den Fertigungstechniken und den Brennverfahren zu erwarten. In diesem Zusammenhang würden auch die umliegenden Werkstätten – besonders in Elis – in den Fokus der Forschung rücken.
47Die Beschreibung der ›Wanderhandwerker‹ bleibt unzureichend für einen derartigen komplexen Vorgang wie die Fertigung eines Tondaches. Die Vorstellung, wie sie durch neuzeitliche Belege der Wandertöpfer für die Herstellung spezifischer Produkte geprägt ist, wird wahrscheinlich nicht ausreichen. Vielmehr ist eine Zusammenarbeit mit den lokalen Werkstätten größerer Prägung anzunehmen. Kein Töpfer würde in einer ihm unbekannten Brennanlage ein Dach fertigen, zumal diese in Teilen noch farbig gestaltet sind[81]. Allein durch die Verwendung von Engoben muss das individuelle Brennverhalten eines Ofens bekannt und mehrfach erprobt gewesen sein. Auch angesichts der Tatsache, dass es sich in großen Teilen bei den Dächern der Schatzhäuser um maßgenaue Anfertigungen handelt, mussten die Eigenschaften der Tone bekannt und empirisch zu belegen sein.
Ausblick
48Auf Grund der veränderten Datenlage ist in jedem Fall klar, dass die Hersteller auf die entsprechenden Infrastrukturen in der Umgebung von Olympia zurückgegriffen haben, denn es ist auszuschließen, dass Ziegler von außen dort ganz unabhängig einen neuen Betrieb aufmachten, der nur für eine begrenzte Zeit existiert hätte.
49In diesem Zusammenhang bliebe auch zu klären, inwieweit Olympia und die panhellenischen Heiligtümer generell Orte des Austausches von Wissen und des Techniktransfers waren. Sollten Handwerker aus den Stifterstädten bei der Fertigung beteiligt gewesen sein, so wird dies nicht ohne einen entsprechenden Erfahrungsaustausch stattgefunden haben. Andererseits muss die Möglichkeit, dass die Fertigung ohne Beteiligung von Handwerkern aus den Stifterstädten stattgefunden hat, ebenfalls in Betracht gezogen werden. Deshalb kommt dem gesamtplanerischen Prozess eine übergeordnete Bedeutung zu.
50Die Entscheidungen, die für die Errichtung eines Schatzhauses erforderlich waren, werden in einer Baukommission vorbereitet und nach bestimmten Vorgaben auch beschlossen worden sein[82], gleichgültig ob es sich um eine Stiftung eines Tyrannen, einer aristokratischen Familie oder einer Polis handelte[83]. In den gesamtgriechischen Heiligtümern standen die Bauten dabei untereinander in Konkurrenz[84], indem sich die einzelnen Auftraggeber untereinander maßen, was gewiss auch Rückwirkungen auf die äußere Erscheinung und damit auf den Auftrag an die Baukommission hatte.
51Wieweit dabei die Kosten für den Bau eine Rolle spielten, ist schwer zu ermessen. Allerdings sind zumindest aus nacharchaischer Zeit sehr kleinteilige Verfahren bekannt, die kaum anders als eine Kontrolle der Vorgänge und damit der Kosten zu verstehen sind[85]. Zugleich machen sie deutlich, dass die Unternehmer nicht unbedingt vor Ort zu suchen sind, im Fall der Schatzhäuser also vielleicht aus den weihenden Städten kommen konnten. Gerhild Hübner hatte darauf hingewiesen: »Der Ziegler, der von der jeweiligen Institution oder der von ihr bestellten Kommission gedungen war, erhielt mit dem Auftrag das Rohmaterial zur Verarbeitung geliefert«[86].
52Der Wunsch, in den Bauten zugleich auch bestimmte Qualitäten der Bauten aus der Stadt oder auch nur allgemein einen Verweis auf die Stadt, aus der die Weihung in Auftrag gegeben wurde, zu übermitteln, scheint sehr stark gewesen zu sein. Allerdings gab es da unterschiedliche Möglichkeiten, die von der Überführung des einheimischen Materials nach Olympia[87] bis hin zu den Bildern heimischer Mythen im Giebelfeld – etwa im Schatzhaus von Kyrene [88] – oder eine Inschrift mit Verweis auf den Stifter[89] reichten. Der Bezug zwischen Bau und Auftraggeber stellte sich dabei für den Besucher des Heiligtums unterschiedlich schnell und eindeutig ein.
53Die Deckung der Dächer scheint im Erscheinungsbild insgesamt ein wichtiges Element gebildet zu haben, um die Wirkung der Bauten herauszustellen. Anders sind die vielen Varianten unter den Lösungen an den Schatzhäusern nicht zu erklären. Selbst bei typologisch ähnlichen Grundmustern wie den sog. Hörnerdächern, die mit den ächäischen Apoikien in Unteritalien verbunden werden, zeigen sich allein schon bei den Geison-Verkleidungsplatten markante Unterschiede[90]. Ob diese Unterschiede dem antiken Besucher so klar waren, dass er sie mit dem individuellen Profil der den Auftrag gebenden Stadt verband, bleibt allerdings vorerst offen[91]. Hinzu kommt, dass das Dach des Schatzhauses von Metapont (Abb. 5. 6), einer weiteren achäischen Apoikie Unteritaliens, eine ganz andere Gestaltung mit plastisch aufgesetzten Rosetten zeigt, es also unklar ist, über welche Mittel der Gestaltung die Verbindung zum Ausdruck gebracht werden sollte und ob jede Stadt so etwas wie einen visuellen Code besaß[92].
54Auch das Dach des Schatzhauses von Selinunt (Abb. 3. 4) hat nur sehr eingeschränkt mit den Vorbildern dort zu tun, wobei vor allem immer schon die palmettengeschmückten Antefixe irritierten[93], für die in der sizilischen Stifterstadt Vorbilder fehlen[94]. Wenn man nun einmal dieses Schatzhaus als Beispiel nimmt, dann hätte die Baukommission den Wunsch formuliert, ein ›westgriechisches‹ Dach zu gestalten[95]. Heiden hat deshalb vermutet, dass die lokalen Handwerker für den Thesauros von Selinunt eine »Kopie des Dachrandes vom Geloer Schatzhaus« erstellten und sich aus dessen Formenvorrat bedienten (Abb. 1)[96]. Man könnte sich auch gut vorstellen, dass bei der Ausschreibung des Auftrags auf das Vorbild am Ort verwiesen und es bei der Entscheidung über den Zuschlag berücksichtigt wurde. Wie dabei allerdings die Sonderform der erwähnten Antefixe in einer solchen Vorgehensweise zu bewerten wäre, bleibt ungewiss. Nur wird die Gestaltung in jedem Fall zwischen Auftraggeber, Kommission, Architekt und ausführenden Handwerkern diskutiert und in ihren Details schrittweise fixiert worden sein. Als Hilfe dienten dabei gewiss auch Muster einzelner Ornamente sowie generell unterschiedlich gebrannte Proben zur Visualisierung des Gesamteindruckes.
55Umgekehrt wird die Kommission des Geloerschatzhauses offenbar auf eine besondere Nähe zu den Vorbildern in Sizilien gedrungen haben. Dass sie von vornherein Töpfer aus der Heimatstadt mit einbezog, wird neben dem Ton vor allem durch die Versatzmarken in dem Alphabet der sizilischen Stadt bestätigt[97]. In diesem Fall werden geloische Handwerker mit Töpfern und Spezialisten vor Ort zusammengearbeitet haben. Es deuten sich folglich unterschiedliche Formen der Kooperation an: zwischen Handwerkern der Städte, die den Auftrag gaben, und jenen vor Ort in Olympia. Aber vorerst lassen sich diese Vorgänge in der Praxis der Herstellung der Dachterrakotten und ihrer Ausgestaltung nicht genauer angeben. Sie verdienten durchaus eine weitergehende Untersuchung etwa auch in Hinsicht auf die praktischen Erfordernisse solcher Dächer und die Auswahl der Ornamente, die an dieser Stelle nicht gegeben werden kann. Hingegen bleibt festzuhalten, dass die überwiegende Zahl der Dächer der Schatzhäuser in Olympia vor Ort in Elis produziert wurde, wobei der genaue Ort und die Modalitäten der Verfertigung in den Werkstätten durch Untersuchungen im Gelände zu klären wären.
Supplement
56Die Messdaten zu den 28 untersuchten Objekten mit den jeweiligen Einzelmessungen sind als csv-Tabelle über iDAI.repo (https://doi.org/10.34780/vhr3-nq37) zugänglich.
Abstracts
Zusammenfassung
Dachterrakotten aus Olympia
Geochemische Untersuchungen an Proben in der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Markus Helfert – Henner von Hesberg
Die Dachterrakotten der Schatzhäuser von Olympia weisen untereinander deutliche Unterschiede in ihrer technischen Ausführung wie auch ihrer ornamentalen Ausgestaltung auf. Deshalb stellte sich immer wieder die Frage, wieweit Töpfer aus den Städten, welche die Schatzhäuser in Auftrag gaben, an der Herstellung beteiligt waren. Mit Hilfe der portablen energiedispersiven Röntgenfluoreszenzanalyse konnte anhand einer Reihe von Fragmenten der Dächer, die sich in der Antikensammlung in Berlin befinden, gezeigt werden, dass alle aus Ton hergestellt wurden, der auch für die anderen Bauten in Olympia verwendet wurde. Es wurden also lokale Tonvorkommen genutzt. Allerdings zeigte sich auch, dass die Tone unterschiedlich aufbereitet wurden, die Töpfer also eigene Fertigungstechniken anwandten.
Schlagwörter
Olympia, Schatzhäuser, Dachterrakotten, portable Röntgenfluoreszenzanalyse
Abstract
Roof Tiles from Olympia
Geochemical Investigations on Samples in the Antikensammlung of the Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Markus Helfert – Henner von Hesberg
The roof tiles of the treasuries of Olympia show clear differences in their technical execution as well as their ornamental design. For this reason, the question always arose as to what extent potters from the cities that commissioned these buildings were involved in their production. With the help of portable X-ray fluorescence analysis, it was possible to show on the basis of a number of fragments of the roofs, which are in the Antikensammlung in Berlin, that they were all made of clay used also for the other buildings in Olympia. Local clay deposits were therefore exploited. However, it was also shown that the clays were prepared in different ways, i. e. the potters employed their own production techniques.
Keywords
Olympia, treasure houses, roof tiles, portable X-ray fluorescence analysis
Einleitung
Geochemische Untersuchung von Baukeramik
Fragestellung und Materialgrundlage
Analyse- und Auswertungsmethoden
Geochemische Charakterisierung der Terrakotten
Mögliche Veränderungen der Probenzusammensetzung durch Bodenlagerung und andere Einflüsse
Allgemeine geochemische Charakterisierung der analysierten Proben
Lokale Produktion von Dachterrakotten in Olympia und mögliche Importe aus den Stifterstädten der Schatzhäuser
Resümee
Ausblick
Supplement
Abstracts
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