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Neue Überlegungen zur Anbringung der Inschriften am Hekate-Tempel von Lagina
1Die hier vorgelegten Überlegungen basieren auf den Bauuntersuchungen, die im Rahmen eines von der DFG geförderten Projekts mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der OTH Regensburg und der TU Berlin in den Jahren 2011 und 2018–2022 durchgeführt wurden[1]. Ziel des Projekts war die Rekonstruktion der Architektur des Tempels auf der Basis einer neuen Bauaufnahme der in situ befindlichen Reste sowie sämtlicher erhaltenen Bauteile.
2Der Hekatetempel von Lagina gehört aufgrund der erweiterten Ringhalle und der Erscheinungstüren in den beiden Giebeln zum Tempeltyp der Pseudodipteroi in Kleinasien. Die Bauuntersuchung ergab, dass diese pseudodipterale Grundform das Ergebnis einer nachträglichen Erweiterung war. In einer ersten Bauphase wurde über den Resten eines einfachen Kultbaus, dessen Gestalt nicht mehr zu erkennen ist, ein Antentempel in Marmor errichtet. Dieser Antentempel kann durch die Sondage, die Ahmet Tırpan im Innern der Cella unter Fußbodenniveau durchführte[2], frühestens ans Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. datiert werden. Mit zeitlichem Abstand wurde dieser Antentempel durch Hinzufügen einer erweiterten Ringhalle zu einem Pseudodipteros umgebaut. Die Peristase trägt auf der Außenseite einen figürlichen Fries, der sich heute im Archäologischen Museum in Istanbul befindet. Die Datierung des Frieses – und damit des Umbaus – wird in der archäologischen Forschung unterschiedlich beurteilt. Während die Stilforschung die Entstehung des Frieses zumeist gegen Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. annimmt[3], spricht sich die eher historisch orientierte Forschung – vor allem wegen der Deutung des Nordfrieses und der darin enthaltenen Bezüge zu den Ereignissen im 1. Mithridatischen Krieg – für eine Datierung nach 81 v. Chr. aus[4]. Dieser zeitliche Ansatz wird in jüngster Zeit auch durch stilistische Analyse bestätigt[5]. Da zwischen den beiden Bauphasen ein zeitlicher Abstand anzunehmen ist, gehen auch die Verf. von dieser späteren Datierung aus.
3Im Rahmen der bauhistorischen Untersuchung war eine epigraphische Dokumentation mit Abklatschen nicht geplant und unter den gegebenen Umständen auch nicht möglich. Da jedoch sämtliche erhaltenen Bauteile, die dem Tempel zugewiesen werden konnten, zeichnerisch und photographisch dokumentiert werden mussten, wurden auch die Inschriften in den Bauteilaufnahmen erfasst, soweit dies dem epigraphisch nicht geschulten Team möglich war. Sämtliche Inschriften wurden außerdem mit einem Handscanner aufgenommen[6].
4Auf diese Weise entstand eine vollständige Dokumentation sämtlicher auf identifizierbaren Bauteilen erhaltenen Inschriften[7]. Nicht erfasst wurden kleinere Inschriften-Fragmente, die in keinem architektonischen Zusammenhang stehen. Außerdem entstand eine Konkordanz zwischen dem im Rahmen des Projekts erarbeiteten Bauteil-Inventar und dem Katalog der epigraphischen Publikationen von M. Çetin Şahin[8]. Der überwiegende Teil (ca. 55 %) der bei Şahin gelisteten Inschriften ist inzwischen verloren.
5Durch die systematische Sichtung der erhaltenen Inschriften sind wichtige Vorarbeiten geleistet für eine dringend notwendige epigraphische Neubearbeitung, die mehr als bisher geschehen die historische Auswertung und den architektonischen Kontext zum Gegenstand der Untersuchung macht. Die exakte Position der Inschriften am Gebäude zu bestimmen, hat im Fall des Tempels von Lagina erst in neuerer Zeit das Interesse althistorischer Forschung geweckt. Bereits in den ersten Publikationen von Ch. Diehl und G. Cousin finden sich zahlreiche Hinweise auf Fundort und Form des Inschriftenträgers. Insbesondere ihre Rekonstruktion von Aufbau und Anbringung des Senatus consultum kann als wegweisend gelten[9]. Zuletzt ist Riet van Bremen erstmals ausführlich auf die Frage der Anbringung der Inschriften am Tempel eingegangen und hat dieses Thema als wichtiges Desiderat epigraphischer Forschung formuliert[10].
6Dieser Beitrag versteht sich als ein Schritt in dieser Richtung, da die Bauuntersuchung zu einigen wichtigen Ergebnissen geführt hat. Wir haben uns darauf beschränkt, im Rahmen unserer Möglichkeiten als Nicht-Epigraphiker den Ort der beiden historisch wichtigen Inschriften zu bestimmen – des Senatus consultum und des sog. Antendekrets[11]. Außerdem konnten ein paar ergänzende Beobachtungen zu den Priesterinschriften gemacht werden.
7Den Ausgangspunkt bildet die Rekonstruktion der beiden Anten, von denen relativ viele Bauteile erhalten sind. Aufgrund ihrer charakteristischen Form mit dem leicht vorspringenden Antenversprung lassen sie sich leicht identifizieren. Da die beiden Anten sich nach oben verjüngen und die Höhe der Steinlagen abnimmt, können sie mit ziemlicher Sicherheit einer bestimmten Steinlage zugewiesen werden. Die absolute Gewissheit, ob zwei Blöcke direkt aufeinanderlagen, lässt sich allerdings nur durch die genaue Beobachtung der Dübel- und Klammerlöcher gewinnen.
8Grundlage sind die Überlegungen zur Rekonstruktion der Wände, die mehrheitlich zweischalig ausgeführt sind und aus Läufern bestehen, die im Wechsel eine geringere bzw. eine größere Tiefe aufweisen. Binder sorgen für eine zusätzliche Festigkeit. Einige obere Wandlagen wurden wahrscheinlich einheitlich als Binder ausgeführt und fungieren auf diese Weise statisch als Ringanker. Auf der Basis dieser Rekonstruktion lassen sich die Wand- und Antenquader bestimmten Wandlagen zuweisen, was nicht nur für die Baukonstruktion des Hekate-Tempels von Bedeutung ist, sondern auch für die Höhe der Anbringung der Inschriften. Einen zusätzlichen Hinweis geben die beiden Einarbeitungen für einen nachträglich eingefügten Türsturz auf den Innenseiten der beiden Anten (Abb. 13). Die Antenquader sind dabei in einer besonderen Weise ausgeführt mit einem Wechsel aus kürzeren und längeren Blöcken[12].
9Die Beobachtung, dass die Anten jeweils nur auf der Stirn- und Außenseite Inschriften trugen, auf der Innenseite jedoch Stiftlöcher aufweisen, ermöglichte die Zuweisung zur linken bzw. rechten Ante (Abb. 1. 2). Auf diese Weise konnten der linken Ante zehn, der rechten sieben erhaltene Antenblöcke zugeordnet werden. Da die Gesamthöhe der Anten mit jeweils 14 Steinlagen rekonstruiert wird, fehlt nach wie vor ein großer Teil. Eine vollständige Anastylose ist unter diesen Umständen nicht möglich. Zum Schutz vor weiterer Verwitterung konnten dank dem Einsatz des türkischen Grabungsteams die zusammengehörenden Antenblöcke in einer Teil-Anastylose unter einem Schutzdach aufgestellt werden (Abb. 3).
Senatus consultum (I.Stratonikeia 505)
10Drei Antenblöcke der linken Ante tragen jeweils auf der Außenseite auf dem vorspringenden Antenversprung Inschriften mit übereinander angeordneten Städtenamen in zwei bzw. drei nebeneinander angeordneten Spalten (Inv. 187, 244 und 246)[13]. Zwei Blöcke lagen direkt übereinander (Inv. 187 und 246), der Block Inv. 244 muss aufgrund seiner geringeren Höhe mit einigem Abstand weiter oben angeordnet werden (Abb. 4).
11Die Städtenamen gehören zu einem Volksbeschluss der Stratonikeer, in dem in direktem Anschluss an das Senatus consultum die Namen der Städte, Könige und Dynasten etc. aufgelistet werden, die die Asylie des Heiligtums und die Einrichtung des pentaeterischen Agons zu Ehren der Hekate Soteira und der Roma Euergetis anerkannt haben (I.Stratonikeia 507). Der Block mit der Inschrift, die Diehl und Cousin noch gelesen haben, ist heute verloren[14]. Erhalten sind nur die genannten Blöcke mit den Städtenamen.
12Zwei davon, die beiden direkt übereinanderliegenden Blöcke Inv. 187 und 246 (= I.Stratonikeia 508, 1–24) liefern uns den entscheidenden Hinweis für die Position des Senatus consultum: Unmittelbar links neben dem vorspringenden Antenversprung sind bei beiden Blöcken auf der anschließenden Wandfläche – also auf der Außenwand des Pronaos – die Enden der Zeilen von I.Stratonikeia 505, 117–133 erhalten (Abb. 5).
13Bereits Diehl und Cousin hatten diesen Zusammenhang erkannt und als Ausgangspunkt für ihre schematische Anordnung der damals noch erhaltenen Teile der Inschrift genommen[15]. Den auf beiden Blöcken erhaltenen Versprung erkannten sie allerdings nicht als solchen[16] und konnten somit den exakten Ort der Inschrift auf der Außenwand des Pronaos unmittelbar im Anschluss an die Ante nicht bestimmen (Abb. 6).
14Die Anordnung der – verlorenen – Blöcke A bis L in vier Kolumnen verteilt auf vier Steinlagen übereinander musste jedoch hypothetisch bleiben bis zur Auffindung eines Blockes, den Diehl und Cousin nicht sehen konnten und der erst bei den neuen Ausgrabungen von Ahmet Tırpan zutage kam[17]. Die erhaltene Inschrift überliefert Text im Bereich der bisher nur ergänzten Teile der Zeilen 15–27 von I.Stratonikeia 505. Der Block muss durch seine Höhe (47,3 cm) in derselben Steinlage wie Inv. 187 (H 47,1 cm) (= Diehl – Cousin M) angeordnet werden. Die Auffindung dieses Wandquaders kann zwar den Verlust der Blöcke Diehl-Cousin A–L nicht ersetzen, bewahrt jedoch durch seinen guten Erhaltungszustand Schriftcharakter und Buchstabenform dieses fest datierten Inschriftendokuments (Abb. 7).
15Das von Şahin publizierte neue Fragment überliefert eine zentrale Stelle des Textes mit der vollständigen Titulatur Sullas: »Λεύκιος Κορνήλιος] Λευκίου υἱὸς Σύλλας Ἐπαφρόδιτος δικτάτωρ«[18]. Durch die Titulatur Sullas als »Ἐπαφρόδιτος Δικτάτωρ« kann der Senatsbeschluss ziemlich präzise auf das Jahr 81 v. Chr. datiert werden, da Sulla den Beinamen Felix, dem das griech. Ἐπαφρόδιτος entsprach, erst im Jahre 82 v. Chr. verliehen bekam, und im Jahr 80 v. Chr. zum zweiten Mal Consul war, was in der Titulatur hätte erwähnt werden müssen[19]. Die Inschrift nahm also eine prominente Position ein: die gesamte Außenseite des Pronaos zwischen Türwandanschluss und Ante in einer Höhe zwischen ca. 2,50 und 4,50 m.
16Ein weiteres bereits publiziertes Fragment dieser Inschrift konnte inzwischen von uns identifiziert werden: Es ist – auf dem Kopf stehend – in der südlichen Außenwand der Moschee von Turgut zusammen mit vielen anderen Spolien verbaut (Abb. 7)[20]. Somit besteht Grund zur Annahme, dass ein Großteil der inzwischen verschollenen Inschriften von Lagina als Baumaterial in den Häusern von Turgut Verwendung fand.
Städtenamen (I.Stratonikeia 508)
17Die Reihenfolge der Städtenamen, wie in I.Stratonikeia 508 publiziert, muss aufgrund des architektonischen Befundes korrigiert werden. Die Städtenamen in Z. 59–64, bei Diehl – Cousin »fragment incertain«[21], stehen auf dem Antenblock Inv. 244, der aufgrund seiner geringeren Höhe in einigem Abstand oberhalb der beiden Antenblöcke Inv. 187 und 246 angeordnet werden muss, die die Zeilen 1–58 der Inschrift überliefern. Unterhalb von Z. 64 konnten weitere Städtenamen identifiziert werden, die schon aus Z. 53–58 bekannt waren: Patrai, Phleious, Dyme, Sikyon, [An]tig[onie], Aigeira (Abb. 4).
18Hier werden Städtenamen wiederholt, die bereits in der rechten Spalte[22] von Block 187 (I.Stratonikeia 508, 47–56) stehen, was bereits Diehl und Cousin aufgefallen ist[23]. Aufgrund der neuen Anordnung muss nun festgestellt werden, dass umgekehrt in I.Stratonikeia 508, 47–58 die Städtenamen von I.Stratonikeia 508, 59–64 wiederholt werden.
19Außerdem ist es erstmals gelungen, auf dem Block Inv. 244 in der linken Spalte – neben weiteren unleserlichen – einen Städtenamen zu identifizieren: Phaselis (Abb. 4). Damit bestätigt sich, dass in der linken Spalte von Inv. 244 wie auch in der linken Spalte der Blöcke Inv. 187 und 246 Namen griechischer Städte in Kleinasien gelistet waren, während in der mittleren Spalte Städte des griechischen Festlandes standen.
20Die von Foucart 1890 edierte Inschrift – I.Stratonikeia 508, 65–77 – enthält in beiden Spalten in Kleinasien gelegene Städte[24]. Der Block konnte von Foucart nur im unteren Teil gelesen werden, der obere Teil war bereits zu seiner Zeit stark verwittert, so dass eine Lesung unmöglich war. Dieser Teil der Inschrift kann entweder auf einem der verlorenen Blöcke zwischen Inv. 244 und Inv. 187 gestanden haben oder aber auf der heute unleserlich verwitterten Oberfläche des Blocks Inv. 619 unterhalb von Inv. 246 (in Abb. 4 hypothetisch ergänzt).
21Ebenso hypothetisch bleibt die Position des Volksbeschlusses über die Aufzeichnung der Namen der Städte etc. (I.Stratonikeia 507; Diehl – Cousin Fragment I). Er kann entweder auf der Außenseite des Pronaos im Anschluss an das Senatus consultum, also unterhalb von Block L im Schema von Diehl – Cousin, gestanden haben oder aber auf dem Antenversprung als Einleitung oberhalb von Inv. 244. Die letztere Lösung hätte den Vorteil, dass auf diese Weise der Volksbeschluss der Stratonikeer und die Liste der Städtenamen auf der Ante standen, während dem Senatsbeschluss davon getrennt auf der Außenwand des Pronaos ein eigener Bereich vorbehalten blieb.
Dennoch bleiben Fragen offen:
  • Erhalten sind nur Städtenamen, wo standen die Namen der Könige und Dynasten?
  • Warum werden die Städtenamen von Inv. 244 auf Inv. 187 wiederholt?
22Betrachtet man den Inhalt des Textes des Volksbeschlusses (I.Stratonikeia 507) genauer, ist eigentlich von mehreren Listen die Rede. Nach den Städten, Königen und Dynasten folgte eine Liste der »ἔθνη«, also der Völkerschaften, und der Städte etc., die »μετὰ ταῦτα«, also »danach« das Asylrecht und die Einrichtung des Festes akzeptiert haben. In diesem Zusammenhang ist vielleicht die Beobachtung von Diehl und Cousin von Bedeutung, dass sich die wiederholten Städtenamen in Schriftform und handwerklicher Ausführung unterscheiden[25]. Diese Beobachtung könnte für die sukzessive Anbringung durch verschiedene Schreiber sprechen. Für weitere Spekulationen ist hier nicht der Ort. Die Klärung dieses widersprüchlichen Befundes bleibt der künftigen epigraphischen Forschung vorbehalten.
Antendekret (I.Stratonikeia 512)
23Die zweite historisch bedeutende Inschrift am Tempel von Lagina ist das sog. Antendekret (I.Stratonikeia 512), dessen zweite Hälfte auf der Stirnseite des Antenblocks Inv. 224 erhalten ist. Dieser Antenblock konnte der rechten Ante zugewiesen werden. Der verlorene erste Teil stand mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auf dem Antenblock Inv. 226, der mit Sicherheit über Inv. 224 lag, dessen Stirnseite jedoch völlig zerstört ist (Abb. 8).
24Auch bei dieser Inschrift handelt es sich um einen Volksbeschluss der Stadt Stratonikeia, in dem die Stadt ihre Dankbarkeit gegenüber der Göttin Hekate für ihren Beistand in höchster Not ausdrückt – »διεσώθη ἐκ τῶν κινδύνων καὶ ἐκ τοῦ περιστάντος αὐτὸν καιροῦ« (I.Stratonikeia 512, 7–8), wodurch die Stadt ihre Unabhängigkeit und Freiheit (wieder?) erlangte: »ἐλεύθερος καὶ αὐτόνομος ἐγένετο« (I.Stratonikeia 512, 9).
25In dem erhaltenen zweiten Teil ist die Rede von einem frevelhaften Angriff ungenannter Personen (»τοὺς ἀσεβήσοντας«, I.Stratonikeia 512, 21) in das Gebiet von Stratonikeia, das als »heilig und unverletzlich« bezeichnet wird (»ἱερὰ καὶ ἄσυλος« Z. 22). Diese Frevler wurden offenbar angemessen bestraft, so dass die Kraft der Gottheit offenbar wurde: »ὥστε φανερὰν … ὑπάρχειν τὴν τῆς θεᾶς ἐνάργειαν« (I.Stratonikeia 512, 26–27).
26Zwischen beiden Teilen wird eine Lücke unbestimmter Länge angenommen. Die Zusammengehörigkeit beider Fragmente wurde von Pierre Roussel[26] erkannt und u. a. von Louis Robert[27] bestätigt.
27Auf welches historische Geschehen sich diese Inschrift bezieht, ist umstritten. Sowohl Ereignisse während des Aufstands des Aristonikos um 130 v. Chr.[28] als auch der 1. Mithridatische Krieg 88–84 v. Chr. oder auch der Einfall des Labienus ca. 40 v. Chr.[29] wurden vorgeschlagen. Zuletzt hat sich Riet van Bremen in einer ausführlichen Analyse für die Zeit des Aristonikos-Aufstands Ende des 2. Jhs. v. Chr. ausgesprochen[30], wobei sie auch auf den Schriftcharakter hinwies. Dann wäre dies die älteste erhaltene Inschrift des Tempels. Die Betonung der Unverletzlichkeit des Gebietes und der Autonomie der Stadt setzt aber die Bestätigung der Asylie durch den Senatsbeschluss von 81 v. Chr. voraus. Außerdem lässt sich der Ausdruck »τοὺς ἀσεβήσοντας« mit einer Inschrift in Beziehung setzen, die auf dem Propylon des Heiligtums steht und Reparaturen unter Augustus erwähnt: »τῆς θεᾶς ἀσεβηθείσης.« und sich nur auf die Zerstörungen beziehen kann, die beim Einfall der Parther unter Labienus im Jahr 40 v. Chr. entstanden sind[31].
28Die Wiederauffindung des Antenblocks mit dem zweiten Teil der Inschrift und seine Integration in die Teil-Anastylose unter dem Schutzdach am Rande des Grabungsareals ermöglichen es nunmehr, Schriftcharakter und Buchstabenform auch dieser historisch bedeutenden Inschrift näher zu untersuchen und zu den genannten historischen Ereignissen in Beziehung zu setzen (Abb. 8). Dies soll freilich Epigraphikern vorbehalten bleiben.
29Der Antenblock Inv. 244 kann in einer Höhe von ca. 3,50–4,50 m angeordnet werden. Die Inschrift lag somit etwa auf gleicher Höhe wie das Senatus consultum auf der Außenseite der linken Ante und des Pronaos. Die Antenquader, die diese bedeutenden Inschriften tragen, weisen alle eine Höhe von ca. 47 cm auf und könnten somit vielleicht von vornherein als Inschriftenträger vorgesehen gewesen sein. Diese Beobachtung bleibt freilich reine Spekulation!
Priesterinschriften
30Die größte Gruppe von Inschriften am Tempel von Lagina stellen die Priesterinschriften dar, die einerseits die Anten, zum größten Teil jedoch die rechte Außenseite des Tempels – die sog. Nordseite[32] – bedeckten.
31Eine Ausnahme bildet die monumentale Inschrift des Priesterpaares Chrysaor und Panphile auf dem Architrav über den Säulen des Pronaos[33]. Die Inschrift, die von Laumonier ins 1. Jh. n. Chr. datiert wird[34], erwähnt Opfer für das Kaiserhaus und in einem wohl späteren Zusatz eine Spende von 10.000 (?) Drachmen für die Instandsetzung des »θέατρον«, womit wahrscheinlich die Sitzstufenanlage auf der Südseite des Heiligtums gemeint ist. Es ist gelungen, alle Teile dieser Inschrift wieder zusammenzufügen und als Architekturprobe im Heiligtum aufzustellen (Abb. 9).
32Nur wenige Priesterinschriften sind in ihrer Position gesichert: auf den Stirnseiten der beiden Anten der Frontseite sowie auf der rechten Außenseite der rechten Ante. Drei Wandquader, auf deren Rückseite sich der Anschluss der Türwand abzeichnet (Inv. 33 = I.Stratonikeia 613; Inv. 58; Inv. 265 = I.Stratonikeia 638), und eine weitere auf der nordöstlichen Eckante (Inv. 176) sind ein Anhaltspunkt dafür, dass sich die Priesterinschriften über die gesamte Nordseite des Tempels erstreckten (Abb. 10). Alle anderen Wandquader mit Priesterinschriften sind nur durch ihre Höhe bestimmten Quaderlagen zuzuordnen. In einigen Fällen ist es gelungen, aufgrund der Inschrift die Zusammengehörigkeit einzelner Wandquader nachzuweisen, ohne dass jedoch die exakte Position bestimmt werden kann: I.Stratonikeia 55+182; 264+270; 64+68+77+79 (Abb. 11).
33Soweit in den ersten Publikationen ein Fundort vermerkt war, stammen alle Priesterinschriften von der Nordseite. Keine einzige kann mit Sicherheit der südlichen Längswand oder der Rückseite des Tempels zugeordnet werden.
34Bei den meisten Inschriften handelt es sich um individuelle Zeugnisse einzelner Priester, die auf diese Weise ihre Priesterschaft und im Lauf der Zeit immer ausführlicher ihre Leistungen während der Priesterschaft dokumentierten. Eine genaue Datierung dieser Inschriften ist in den meisten Fällen nicht möglich, sie verteilen sich über einen Zeitraum zwischen dem 1. Jh. v. Chr. und dem 3. Jh. n. Chr. Dies gilt auch für die in ihrer Lage gesicherten Inschriften an den Anten und für die Wandquader mit Türwandanschluss. Die übrigen Inschriften sind ohne erkennbares System über die gesamte Fläche verteilt. Auch auf den Stirnseiten der Anten stehen Inschriften unterschiedlicher Form und Zeit. Offenbar nutzten die Priester jeden zur Verfügung stehenden Raum und schreckten auch vor Tilgung älterer Inschriften nicht zurück.
35Alfred Laumonier hat durch Vergleich mit den entsprechenden Inschriften aus Panamara, dem anderen bedeutenden Heiligtum der Stadt Stratonikeia, eine Prosopographie der Priester von Stratonikeia und auf dieser Grundlage ein chronologisches Gerüst erarbeitet[35]. Nach seiner These standen am Anfang listenartige Einträge, die nur den Namen, den Namen des Vaters und das Demotikon[36] enthielten. Ab einem nicht genau bekannten Zeitpunkt setzten die Priester, die ihr Priesteramt im Jahre des alle vier Jahre stattfindenden Agons zu Ehren von Hekate und der Göttin Roma bekleideten, den Zusatz »κατὰ πενταετηρίδα«, d. h. im Jahre des alle vier Jahre stattfindenden Festes zu Ehren der Göttin Hekate und der Dea Roma, hinzu. Ein namentlich nicht bekannter Priester, Sohn des Leonatos, vermerkt, dass er sein Amt in der Pentaeterie bekleidete, die »zum ersten Mal nach den Kriegen« stattfand[37]. Laumonier geht davon aus, dass es sich bei diesen Kriegen nur um den Einfall des Labienus im Jahre 41/40 v. Chr. handeln kann und dieses erste Fest nach den Kriegen somit im Jahre 37 v. Chr. stattfand. Er nimmt dieses Datum als Ausgangspunkt und datiert sämtliche früheren Listen ohne Erwähnung der Pentaeteris vor diesen Zeitpunkt. Da in diesen früheren Listen 63 Priester erwähnt werden, berechnet er als Datum für die Errichtung des Tempels das Ende des 2. Jhs. v. Chr.[38].
36Aufgrund der Bauuntersuchung und Teil-Rekonstruktion der Anten besteht nunmehr die Möglichkeit, die Richtigkeit dieser These zu überprüfen. Anlass dazu gibt auch die Studie von Riet van Bremen, die bereits zu dem Ergebnis kam, dass es sich keineswegs um eine einheitliche Liste handelt[39].
37Von den neun Inschriften, die nach Laumonier an den Anfang der Liste gehören – I.Stratonikeia 601–609 – sind sechs erhalten, drei davon auf der rechten Ante, und zwar auf der Außenseite der Pronaoswand rechts vom Antenversprung: I.Stratonikeia 605 (Inv. 251) und 607 (Inv. 224). Drei weitere stehen auf Wandquadern, deren Position nicht gesichert ist: I.Stratonikeia 603 (Inv. 71), I.Stratonikeia 608 (Inv. 59) und I.Stratonikeia 609 (Inv. 75). Sämtliche Priesterinschriften, die auf der Stirnseite und auf der Außenseite der rechten Ante erhalten sind, gehören in spätere Zeit (I.Stratonikeia 582, 632, 633, 636, 652, 659 und 670).
38Die drei Antenblöcke Inv. 224, 226 und 223 müssen aufgrund der bautechnischen Einarbeitungen unmittelbar übereinander angeordnet werden – in dieser Reihenfolge von unten nach oben. Der fragmentarisch erhaltene Antenblock Inv. 251 muss mit unbekanntem Abstand über diesen gelegen haben, da in der Erstpublikation eine Höhe von 43 cm angegeben ist[40].
39Mit einiger Wahrscheinlichkeit lässt sich an dieser Stelle die – verlorene – Priesterliste I.Stratonikeia 604 anfügen. Sie kann nicht – wie ursprünglich angenommen – auf dem Antenblock Inv. 223 gestanden haben, da die wenigen Buchstaben, die sich auf der schlecht erhaltenen Oberfläche erkennen lassen, nicht zu dieser Inschrift gehören können. Außerdem stimmt die von Benndorf[41] gemessene Länge von I.Stratonikeia 604 (1,02 m) nicht mit der Länge des erhaltenen Antenblocks Inv. 223 (1,37 m) überein.
40Die von Benndorf überlieferten Maße (L 1,02 m; H 47 cm) würden aber sehr gut zu dem verlorenen Antenblock passen, der unter Inv. 224 angeordnet werden muss, da hier noch eine weitere Quaderlage mit einer Höhe von 47 cm rekonstruiert werden kann und der regelmäßige Wechsel von langen und kurzen Antenblöcken in dieser Position einen ›kurzen‹ Block (wie Inv. 226) erwarten lässt. Zudem können die überlieferten Zeilenanfänge von I.Stratonikeia 604 nur auf einem ›kurzen‹ Wandanschluss gestanden haben.
41Die Priesterlisten auf dem Wandanschluss der rechten Ante sind also von oben nach unten in folgender Reihenfolge zu lesen: I.Stratonikeia 605, 632 col. II, 607 und – falls unsere Rekonstruktion richtig ist – 604 (Abb. 10).
42Von diesen erfüllen die drei Inschriften I.Stratonikeia 605, 607 und 604 am besten die Kriterien von Laumoniers früher Liste: Listenartige Einträge mit Namen, Vatersname und Demotikon ohne den Zusatz »Ἱερεύς« bzw. »Ίερεῖς« und ohne den Zusatz »κατὰ πενταετηρίδα«, wenn das Priesteramt in das Jahr des alle vier Jahre stattfindenden Festes zu Ehren der Göttin Hekate fiel.
43I.Stratonikeia 605 hat trotz des fragmentarischen Zustands den Schriftcharakter am besten bewahrt. Name und Vatersname sind in einheitlicher Buchstaben-Höhe von 2 cm aufgelistet. Die verlorene Inschrift I.Stratonikeia 604 scheint nach der Abschrift der Erstpublikation einen ähnlichen Schriftcharakter aufgewiesen zu haben.
44Die Inschrift I.Stratonikeia 607 verrät dagegen bereits spätere Eingriffe. Der Schriftcharakter ist weniger sorgfältig und die Höhe der Buchstaben beträgt ca. 2,5 cm, ist also höher als bei I.Stratonikeia 605. Zwischen Zeile 3 und 4 ist ein größerer Zeilenabstand offensichtlich. Spuren einer Rasur in Zeile 3 sind Hinweise, dass hier bereits die frühere Liste durch spätere Einträge überschrieben wurde.
45Bei der Inschrift I.Stratonikeia 632 col. II, die auf dem Antenblock Inv. 226 rechts vom Antenversprung steht, weist der Zusatz »Ἱερεύς« in Zeile 1 in spätere Entstehungszeit. Da jedoch nur die ersten Buchstaben weniger Zeilen erhalten sind, lässt sich keine weitere Aussage machen[42].
46Die Analyse dieser vier Antenblöcke bestätigt die Existenz von Priesterlisten auf der Außenwand des Pronaos unmittelbar rechts vom Antenversprung, allerdings nicht in der von Laumonier vorgeschlagenen Reihenfolge und ohne die Einheitlichkeit von Text und Schrift, die bei einer einheitlichen Liste vorausgesetzt werden müsste.
47Weitere Teile von Laumoniers Priesterliste sind auf drei Wandquadern erhalten: I.Stratonikeia 603 (Inv. 71), I.Stratonikeia 608 (Inv. 59) und I.Stratonikeia 609, 1–9 (Inv. 75), deren Position sich leider nicht näher bestimmen lässt. Nur die Höhe der Wandquader von 47,2 bzw. 47,5 cm zeigt, dass sie sich ungefähr auf derselben Höhe rechts von den besprochenen Antenblöcken befunden haben müssen, ohne dass jedoch direkte Anschlüsse möglich sind (Abb. 12).
48Während sich die Inschrift I.Stratonikeia 603 von den Inschriften auf der Ante nur durch den Zusatz des Demotikon unterscheidet, aber der Listencharakter bei gleicher Buchstabenhöhe gewahrt bleibt, stehen bei I.Stratonikeia 608 Namen unterschiedlicher Buchstabenhöhe unter der gemeinsamen Überschrift »ἱερεῖς«, was auf sukzessive Eintragungen durch verschiedene Schreiber schließen lässt.
49Leider lässt sich auch die Position des Wandquaders, auf dem die ersten neun Zeilen der Inschrift I.Stratonikeia 609 (Inv. 75) erhalten sind, nicht näher bestimmen. Wie schon erwähnt, nimmt Laumonier diese Inschrift als chronologischen Fixpunkt, da der in Zeile 1 genannte Priester, Sohn des Leonatos, in dem Jahr das Priesteramt bekleidete, als das Fest zum ersten Mal »nach den Kriegen« gefeiert wurde. Die folgenden Namen stehen wieder listenartig untereinander in der üblichen Form mit Demotikon, der vierte in der Reihe wieder mit dem Zusatz »κατὰ πενταετηρίδα« – in einheitlicher Schriftform und Buchstabengröße.
50Laumonier verband mit dieser Inschrift zwei Inschriften, die von Diehl und Cousin publiziert wurden und heute verloren sind (I.Stratonikeia 609, 10–25)[43]. Sie wiesen offenbar dieselben Charakteristika der Anordnung auf und ließen sich aufgrund des Priesternamens Chairemon (Z. 13), der 38 v. Chr. Priester in Panamara war, in denselben Zeithorizont einordnen[44].
51Nach den Angaben von Benndorf, die Diehl und Cousin vorlagen, standen die Zeilen I.Stratonikeia 609, 1–9 rechts neben I.Stratonikeia 660 auf einem Antenblock der NW-Ecke[45]. Nach dem in der archäologischen Literatur üblichen Sprachgebrauch[46] muss es sich dabei um die Eckante am hinteren Ende der rechten Langseite des Tempels handeln. Wenn Benndorfs Angabe zutrifft, müssen die Zeilen der Inschrift I.Stratonikeia 609, 19–25 auf dem Antenversprung, die Inschrift I.Stratonikeia 660 links daneben auf dem Wandanschluss gestanden haben. Nach Laumonier müssten dann auch die Zeilen I.Stratonikeia 609, 1–9 auf dem Antenversprung gestanden haben – was nicht zutreffen kann, da es sich bei dem erhaltenen Block Inv. 75 um einen Wandquader und nicht um einen Eckantenblock handelt. Benndorfs Angabe anzuzweifeln, besteht jedoch kein Grund, da seine Angabe[47] im Fall von I.Stratonikeia 604 = Inv. 223 durch die eindeutige Lage im Verband der rechten vorderen Ante bestätigt wird. Damit ist die Rekonstruktion der Priesterliste in I.Stratonikeia 609 hinfällig und Laumoniers chronologischen Überlegungen die Grundlage entzogen[48].
52Die Priesterinschriften setzten sich auf der gesamten N-Seite des Tempels fort, wie die Fundortangaben bei Diehl – Cousin zeigen. Nur die schon erwähnten Wandquader mit Türwandanschluss (Inv. 33, I.Stratonikeia 613; Inv. 58; Inv. 265 = I.Stratonikeia 638) sowie der erhaltene Block der nordöstlichen Eckante (Inv. 176)[49] sind durch ihre architektonische Funktion in ihrer Position gesichert[50]. Die Inschriften I.Stratonikeia 613 und 638 folgen in der Art der Anordnung der Priesternamen mit dem Zusatz »κατὰ πενταετηρίδα« den Inschriften I.Stratonikeia 609 und 610, was zu der Vermutung Anlass gibt, dass sich die Priesterinschriften in Listenform auf der Außenwand des Tempels ursprünglich mindestens bis zur Einbindung der Türwand, also über die gesamte Außenwand des Pronaos hinzogen.
Ergebnisse
53Als Ergebnis dieses Überblicks über die Anbringung der verschiedenen Inschriftengattungen ist festzuhalten, dass auf beiden Seiten des Tempels auf der Außenwand des Pronaos direkt im Anschluss an den Antenversprung jeweils frühe bedeutende Inschriften standen – auf der linken (SW-)Seite das Senatus consultum, auf der rechten (NO-)Seite die frühen Priesterlisten.
54Wie oben erwähnt, kann keine einzige Inschrift aufgrund ihrer Fundlage – soweit bekannt – der südlichen Längswand oder Rückseite des Tempels zugewiesen werden. Da Benndorf zur Inschrift I.Stratonikeia 609 und 660 bemerkte[51], dass die nach Westen (also zur Rückseite) gerichtete Seite des Eckantenblocks keine Inschrift trug, kann man davon ausgehen, dass die Rückwand des Tempels von Inschriften frei blieb.
55Die Innenseite des Pronaos weist fast ausschließlich Stiftlöcher auf, die für die Befestigung von Objekten aus Metall, wahrscheinlich Bronze, bestimmt waren (Abb. 13). Das zeigen die erhaltenen Innenseiten der beiden Anten sowie Wandquader (Binder), die außen eine Inschrift, innen Stiftlöcher aufweisen[52]. Ein System für die Verteilung der Stiftlöcher lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Doch deuten die größeren Abstände darauf hin, dass größere Objekte flächendeckend die Wand bedeckten, wahrscheinlich Inschriften-Tafeln aus Bronze. Man darf annehmen, dass die Praxis, bedeutende Inschriften auf Bronzetafeln in Tempeln und öffentlichen Bauten anzubringen, verbreiteter war, als es die Erhaltungsbedingungen erwarten lassen[53]. Im Fall des Hekate-Tempels von Lagina besteht Anlass zu einer begründeten Vermutung:
56Tacitus überliefert, dass während der Regierungszeit des Kaisers Tiberius eine Gesandtschaft griechischer Städte der Provinz Asia die Bestätigung des Asylrechts ihrer Heiligtümer erbat, u. a. auch Stratonikeia, das sich auf ein Belobigungsschreiben des Augustus berufen konnte für die unerschütterliche Treue der Stadt, die sie beim Einfall der Parther unter Labienus bewiesen hatte. Die Gemeinden wurden angewiesen, die Entscheidung des Senats »auf ehernen Tafeln in den Tempeln selbst anzubringen« – »in templis figere aera sacrandam ad memoriam«[54].
Abstracts
Zusammenfassung
Neue Überlegungen zur Anbringung der Inschriften am Hekate-Tempel von Lagina
Philip Brize – Thekla Schulz – Bilal Söğüt
Die Frage der Anbringung der Inschriften des Tempels von Lagina ist erst seit Neuestem wieder Gegenstand der epigraphischen Forschung. Aufgrund der neuen Bauuntersuchungen ist es jetzt möglich, den Ort einiger historisch bedeutender Inschriften zu bestimmen. Dies gilt besonders für das Senatus consultum des Jahres 81 v. Chr., das sog. Antendekret und einige der ältesten Priesterinschriften. Es kann nachgewiesen werden, dass der Senatsbeschluss auf der linken Außenwand des Pronaos und das Antendekret auf der Stirnseite der rechten Ante angebracht waren, während die Priesterinschriften – ausgehend von der Ante – die gesamte rechte Außenwand des Pronaos und der Cella bedeckten.
Schlagwörter
Lagina, Hekate-Tempel, Inschriften, Bauforschung
Abstract
New Considerations on the Placement of the Inscriptions of the Temple of Hekate at Lagina
Philip Brize – Thekla Schulz – Bilal Söğüt
The question of the placement of the inscriptions of the temple of Lagina has only recently become the subject of epigraphic research again. Due to new building investigations, it is now possible to determine the exact location of some of the most important historical inscriptions. This applies in particular for the Senatus consultum from 81 B.C., the so-called Anta-decree and some of the oldest priestly inscriptions. It will be argued that the Senatus consultum was placed on the left outer wall of the Pronaos and the ›Anta-decree‹ on the front of the right anta, while the priestly inscriptions, starting from the anta, covered the entire right outer wall of the pronaos and naos.
Keywords
Lagina, Temple of Hekate, inscriptions
Senatus consultum (I.Stratonikeia 505)
Städtenamen (I.Stratonikeia 508)
Antendekret (I.Stratonikeia 512)
Priesterinschriften
Ergebnisse
Abstracts
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