Philipp Niewöhner

Die Michaelskirche in Germia (Galatien, Türkei). Ein kaiserlicher Wallfahrtsort und sein provinzielles Umfeld

Ein neuer Survey der Michaelskirche, des sie umgebenden Wallfahrtsorts sowie seines Umlands hat folgende Ergebnisse erbracht: An der Michaelskirche lassen sich drei Bauphasen unterscheiden, ein frühbyzantinischer Ursprungsbau mit hauptstädtischen Zügen, eine lokale Reparatur mit Weitarkaden, die wahrscheinlich gleichfalls noch in früh-byzantinischer Zeit erfolgte, sowie ein mittelbyzatinischer Umbau zu einer der größten Kuppelkirchen Anatoliens. Neben der Kirche sind in Germia zahlreiche weitere, allem Anschein nach ebenfalls byzantinische Ruinen entdeckt und zum Teil geophysikalisch prospektiert worden. Die byzantinischen Steinmetzarbeiten dürften archäometrischen Analysen zufolge aus alten Steinbrüchen stammen, die vor Ort und im benachbarten Dindymon-Gebirge lokalisiert werden konnten. Im Umland stehen keine Ruinen mehr an, aber anhand von Keramik, Steinmetzarbeiten und Inschriften lassen sich diverse Siedlungsplätze nachweisen, deren Tradition bis in die Antike zurückreicht. Ein Dutzend neuer Inschriften aus Germia stammt hingegen aus frühbyzantinischer Zeit, als dieser zuvor unbekannte Ort offenbar aufgrund des Wallfahrtswesens zunächst zur Polis und dann in mittelbyzantinischer Zeit zur autokephalen Metropolis aufstieg.

Schlagworte

Archaeometrie; Bauforschung; Byzanz; Epigraphik; Geophysik; Siedlungsarchäologie

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