Giorgios I. Despinis

Der Torso Athener Nationalmuseum Inv. 3045. Fragment einer Giebelkomposition mit Athenageburt?

Der Torso im Athener Nationalmuseum Inv. 3045 stammt, wie allgemein angenommen wird, von einer Statue des thronenden Zeus. Die geringe Tiefe der Figur und die grobe Ausarbeitung der Rückseite zeigen, dass der Torso zu einer Giebelskulptur gehörte. Für ihre Deutung ist das komplizierte Befestigungssystem einer schweren Anfügung entschei- dend, das sich an der Rückseite der linken Schulter teilweise erhalten hat. Der Verf. ist der Ansicht, dass hier eine hinter und über der linken Schulter sichtbare Athenastatuette angefügt gewesen ist und wir entsprechend eine Darstellung der in der archaischen Weise wiedergegebenen Athenageburt vor uns haben. Diese Interpretation des Befundes führt zu der Hypothese, dass die Statue Teil einer Komposition der Geburt der Athena  ek ths kephalhs tou Dios  war, wie sie Pausanias 1, 24, 1 westlich des Parthenon aufgestellt bezeugt. Der Verf. weist den Torso Athener Nationalmuseum Inv. 3045 und die Fragmente der Viergespannpferde im Akropolis Museum Inv. 6454 und 15244, die ebenfalls einer Giebelkomposition auf der Akropolis zugeordnet werden, nicht – wie dies in den letzten Jahren geschehen ist – einer Gigantomachie zu, sondern dem Zentrum zweier Kompositionen. Diese sollten die Marmorgiebel des Alten Athenatempels ersetzen, sind aber nicht vollendet worden. Die beiden Szenen, die Geburt der Athena und die Epiphanie der Göttin, wurden hinter dem Parthenon oder dem Alten Athenatempel aufgestellt, wie dies auch bei den Giebelkompositionen des Aphaiatempels auf Aigina der Fall war, die auf getrennten Sockeln unter einem Schutzdach östlich des Tempels standen.

Schlagworte

Zeus; Athenageburt; Akropolis Athen; Alter Athenatempel; Giebel

PDF