Volkmar von Graeve

Beobachtungen zur Herstellungstechnik milesischer Terrakotten im 7. Jahrhundert v. Chr. Ein Beitrag zur orientalisierenden Phase der frühgriechischen Kunst

Der Artikel beleuchtet einen kleinen Ausschnitt aus dem größeren Problemkreis der orientalisierenden Phase der frühen griechischen Kunst. Die Notwendigkeit, sich mit diesem Thema zu befassen, ergibt sich durch die Tatsache, dass in dem neu entdeckten Aphroditeheiligtum in Milet zur Überraschung der Ausgräber über 1200 sogenannte dädalische Terrakotten gefunden wurden, die in der archäologischen Forschung als sichere Indikatoren für eine Übernahme von ikonographischen Typen aus den Kulturen des Vorderen Orients in die griechische Kunst des 7. Jhs. v. Chr. gelten. Der dädalische Stil wurde bisher hauptsächlich mit den dorischen Kunstzentren auf der Insel Kreta und der Peloponnes verbunden. Nun kommt eine zahlenmäßig große und ikonographisch reiche Tradition in Ionien hinzu, was mit der geographischen Lage von Milet zu tun haben kann. Bei einer Erhellung des Phänomens der Übernahme, das sehr schnell ideologisch überlagert werden kann, sollten zunächst einmal handfeste Grundlagen geschaffen werden. In unserem Fall geschieht das durch eine scheinbar banale Untersuchung der Handwerkstechnik. Da die autochthonen ionischen Terrakotten während der gesamten Zeit des 7. Jhs. v. Chr. weiter produziert werden, ergibt sich eine ideale Grundlage für eine Beschreibung, in welcher Weise die neuen Vorbilder in den alten Werkstätten aufgenommen werden. Dabei bewährt sich einerseits die bisherige wissenschaftliche These von einer teilweisen Umstrukturierung im stilistischen Erscheinungsbild der Vorbilder. Andererseits kommt hinzu, dass sich die alten Werkstätten radikal mit ihren Produktionsweisen durchsetzen und so zu den Grundlagen des gemeinsamen dädalischen Stils beitragen.

Schlagworte

orientalisierende griechische Kunst; dädalische Terrakotten; antike Handwerkstechnik

PDF