Melanie Wasmuth

Die Stele des Djedherbes als kulturelles Zeugnis ihrer Zeit

Untersuchungsgegenstand des vorliegenden Beitrags ist eine ikonographische Detailstudie der Stele des Djedherbes, die 1994 bei den Grabungen in Saqqara in sekundärer Fundlage zutage getreten ist. Sie ist die bislang einzige private Totenstele aus stratigraphisch bekanntem Kontext, die in sich ägyptische und persische Elemente vereint. Die zwei szenischen Register, die die Totenpflege und die soziale und leibliche Weiterversorgung des Verstorbenen thematisieren, dokumentieren die Affinität des Steleninhabers zu beiden Kulturtraditionen. Die Stele reiht sich damit ein in die Repräsentationsformen, die für Personen aus Mischehen in der ägyptischen Spätzeit entwickelt wurden. Über diese szenische Identitätsbezeugung hinaus lassen sich in der Gestaltung der Einzelelemente Einflüsse aus weiteren Kulturtraditionen des Großraums Östliches Mittelmeer fassen. Ob diese Multivalenz auf das Repräsentationsbedürfnis des Steleninhabers oder des Designers zurückgeht, lässt sich nicht sicher entscheiden. In jedem Fall erlaubt sie interessante Aufschlüsse über die Handwerkerausbildung in Ägypten bzw. dem gesamten Großraum im 5. und 4. vorchristlichen Jahrhundert.

Schlagworte

1. Jt. v. Chr.; Großraum Östliches Mittelmeer; Kulturkontakte; visuelle Repräsentation kultureller Identitätskonstruktionen