Philipp Niewöhner

Der Bischofspalast von Milet. Spätrömisches Peristylhaus und frühbyzantinische Residenz

Der Bischofspalast im Stadtzentrum von Milet wurde im frühen 20. Jh. von Theodor Wiegand entdeckt und in den 1970er Jahren von Wolfgang Müller-Wiener ausgegraben, aber bislang nicht publiziert. Dies wird hiermit nachgeholt, nachdem 2013 weitere Ausgrabungen und eine Neuuntersuchung des Komplexes vorgenommen werden konnten. Der Bischofspalast wurde in der 1. Hälfte des 5. Jhs. n. Chr. an der Stelle eines spätrömischen Peristylhauses aus dem 3. Jh. n. Chr. errichtet, das im 4. Jh. n. Chr. umgebaut worden war. Über dem zerstörten Palast war noch eine Töpferei aus der Zeit des türkischen Emirats von Menteşe (14./15. Jh.) zu verzeichnen sowie noch später und höher osmanische Bebauung. Der Bischofspalast war eng mit der ihm südlich benachbarten Michaelskirche verbunden, die offenbar als bischöfliches Oratorium und Palastkapelle diente. Die Kapelle, ein Vestibül in Form eines langgestreckten Apsidensaals, ein verhältnismäßig großer Hauptsaal sowie der Verzicht auf einen zentralen Peristylhof unterscheiden den Bischofspalast einerseits von spätantiken Peristylhäusern, verbinden ihn andererseits mit dem sog. Byzantinischen Palast von Ephesos und gehen wohl auf die geänderten Repräsentationsbedürfnisse frühbyzantinischer Amtsträger zurück.

Schlagworte

Keramik; Kleinasien; Mentesche; Mosaiken; Spätantike

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