Felix Pirson

Pergamon – Bericht über die Arbeiten in der Kampagne 2014

Die Arbeiten der Pergamongrabung im Jahr 2014 konzentrierten sich auf die Erforschung der hellenistischen Residenzstadt und ihres Umlandes im Rahmen des aktuellen Forschungsprogramms. Der 2005 begonnene Stadtsurvey konnte mit letzten Begehungen am Westhang und im westlichen vorstädtischen Bereich abgeschlossen werden. Dabei wurden eine weitere Treppengasse sowie eine fortifikatorische Anlage außerhalb der Stadtbefestigung festgestellt. Fortsetzung und Abschluss der Ausgrabungen im Felsheiligtum unterhalb des Felssporns am Westhang konnten dessen Deutung weiter stützen. Datierung und Zusammensetzung des Fundmaterials weisen signifikante Parallelen zu den Felsheiligtümern am Osthang auf. Die Untersuchung einer weiteren Felsformation am Westhang hat eine einfache Kultstelle am Rande einer Treppenstraße erbracht. Die Fortsetzung der Untersuchungen der Unteren Agora konnten deren Datierung in das späte 1. Jh. v. Chr. – frühe 1. Jh. n. Chr. weiter erhärten. Damit ist ein weiteres wichtiges Indiz für die Bedeutung des 1. Jhs. v. Chr. in der städtebaulichen Entwicklung Pergamons gewonnen, die sich am ehesten mit Veränderungen in der Besiedlungsstruktur der Mikroregion in hellenistischer Zeit erklären lässt. Bei der Ausgrabung des Hauptraums des sogenannten Banketthauses am nördlichen Osthang inmitten der Zone der Felsheiligtümer ist eine relativ gut erhaltene Wanddekoration im hellenistischen Mauerwerksstil freigelegt worden. Die Arbeiten in der Südostnekropole von Pergamon sind beendet worden. Ihre Ausdehnung und die Belegungsdauer konnten verifiziert werden. Der Entdeckung zahlreicher weiterer Bestattungen, von Grabbauten bis hin zu Gefäßbestattungen, verdanken wir wichtige neue Einblicke in Totenkult und Lebensverhältnisse im römischen Pergamon. Das neu begonnene Surveyprojekt zum Hafennetzwerk der Kane-Halbinsel konnte wesentliche Erkenntnisse zum Aufbau von Siedlung und Häfen der Stadt Kane erbringen. In der Roten Halle wurde die Rekonstruktion der Marmordekoration im Umfeld der Sechmet-Statue abgeschlossen und die Restaurierung der Südwand des Temenos fortgesetzt. Im Gymnasion lag der Schwerpunkt der Konservierungsarbeiten auf dem Odeion und der Schaffung der technischen Voraussetzungen für die Anastylose einer Portikus-Ecke.

Schlagworte

Pergamon; Straßensystem; Felsheiligtümer; Untere Agora; Südostnekropole; Banketthaus; Hafennetzwerk; Kane; Anthropologie; Rote Halle; Gymnasion

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