Philipp Niewöhner

Neue spät- und nachantike Monumente von Milet und der mittelbyzantinische Zerfall des anatolischen Städtewesens

Während der Feldkampagne 2012 wurde in Milet eine Reihe von neuen spät- und nachantiken Monumenten untersucht: eine Thermenanlage am Osthafen, eine Insula südlich des Westmarkts, die byzantinische Stadtmauer mit einem Prunktor beim Serapeion und ihre Datierung anhand der Aufgabe der Faustinathermen, die mittelbyzantinische Bauskulptur, die nachantike Siedlung auf dem Theaterhügel sowie die Kapelle von Hagia Paraskevi. Im Beitrag werden die Monumente zunächst ein jedes für sich besprochen und dann hinsichtlich der byzantinischen Siedlungsgeschichte ausgewertet. Demnach hielt Milet über das Ende der frühbyzantinischen Epoche hinaus in denkmalpflegerischer Manier an antiken Gebäuden, Skulpturen und Straßenzügen fest. Selbst christliche Neubauten wurden antikisch stilisiert und beim Bau der byzantinischen Stadtmauer machte man das Serapeion zum Blickfang der größten und prächtigsten Toranlage. In mittelbyzantinischer Zeit wurde das antike Stadtzentrum dann merkwürdigerweise aufgegeben und nach einer katastrophalen Erdbebenzerstörung nicht wieder instandgesetzt, obwohl es in der Umgebung etliche anspruchsvolle Kirchenbauten gegeben haben muß, wie die mittelbyzantinische Bauskulptur bezeugt. Offenbar war die Stadt von Verländlichung betroffen; das kann auch erklären, warum man die befestigte Siedlung auf dem Theaterhügel quasi neu gründen musste, als die Ankunft der Türken die mittelbyzantinische Friedenszeit beendete.

Schlagworte

Thermen; Wohnbebauung; Stadtmauern; Bauskulptur; Kirchen; byzantinische Epoche

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