Felix Pirson

Pergamon – Bericht über die Arbeiten in der Kampagne 2010

Die Arbeiten der Pergamongrabung im Jahr 2010 konzentrierten sich auf die Erforschung der hellenistischen Residenzstadt und ihres Umlandes im Rahmen des aktuellen Forschungsprogramms. Im Zuge der Konservierungsarbeiten an der Roten Halle konnten die Konservierung des Südabschlusses der Anlage und die Wiederherstellung einer der großen Stutzfiguren im Südhof fortgesetzt werden. Die Untersuchungen am Osthang des Stadtbergs konzentrierten sich auf die potentiellen Naturheiligtümer. Zahlreiche Funde von Terrakottenfragmenten, insbesondere im Bereich des sogenannten Grottenheiligtums, konnten die Interpretation des nördlichen Abschnitts des Osthangs als Zentrum kultischer Aktivitäten, vermutlich für Meter-Kybele, weiter bestätigen. Bei einer relativ aufwendig ausgestatteten Terrassenanlage konnte es sich um ein Banketthaus als Mittelpunkt des Ensembles von Kultstellen handeln. Nach Abschluß des innerstädtischen Surveys am Osthang, der mit Bau V noch ein weiteres hellenistisches Gebäude in Quaderarchitektur erbracht hat, wurden die Arbeiten an den Westhang verlagert. Dort konnten bereits mehrere Straßenverlaufe nachgewiesen werden, die auf ein ähnliches Straßensystem wie am Osthang hindeuten. Die Arbeiten im Bereich der Vorstadt konzentrierten sich wieder auf Gräber und Nekropolen, einem neuen Schwerpunkt der Pergamongrabung. Dabei konnte ein von Raubgräbern heimgesuchter hellenistischer Tumulus mit aufwendiger Grabkammer untersucht werden, der sich in die 2. Hälfte des 3. Jhs. v. Chr. datieren läßt. Die Untersuchungen zur prähistorischen Siedlung auf dem Yeni Yeldeğirmentepe haben mit Hilfe geophysikalischer Messungen neue Informationen zur Ausdehnung der Siedlung erbracht. Der Survey in der Chora von Pergamon konnte durch die Untersuchung der Höhensiedlung Hatipler Kalesi nochmals zeigen, wie sowohl der Einfluß Pergamons als auch Roms das Siedlungsbild im westlichen Tal des Kaikos maßgeblich verändert hat. Die Bedeutung von Umweltfaktoren in diesem Zusammenhang haben die geoarchäologischen Forschungen im gleichen Gebiet erhellt. Die Entdeckung eines mutmaßlichen Diateichisma in Elaia liefert eine plausible Erklärung für die Unterschiede in Funddichte und Verteilung der geophysikalischen Anomalien zwischen Nord- und Südteil der Stadt. Wir müssen nun von einer separierten Militär- oder Handelszone in Elaia ausgehen. Mit Hilfe geoarchäologischer Methoden konnten die Baustrukturen im Flachwasser vor der Stadt als ausgedehnte Salinenanlagen gedeutet werden, die am ehesten aus spätantiker bis frühbyzantinischer Zeit stammen und ein neues Licht auf die wirtschaftliche Bedeutung der Bucht nach Aufgabe bzw. Verlegung der Siedlung werfen.

Schlagworte

Pergamon; Elaia; Atarneus; Yeni Yeldeğirmentepe; Naturheiligtümer; Straßensystem; Tumulus; Diateichisma; Salinen; Geoarchäologie; Anthropologie; Zooarchäologie; Rote Halle

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