Simone Wolf, Pawel Wolf, Hans-Ulrich Onasch, Catharine Hof, Ulrike Nowotnick

Meroe and Hamadab – Stadtstrukturen und Lebensformen im afrikanischen Reich von Kusch. Die Arbeiten der Kampagne 2010

Die Royal Baths von Meroë wurden auf einem leicht zum Nil hin abfallenden Hang errichtet. Jahrhunderte zuvor hat es in diesem Areal, neben Indizien für eine frühe Besiedlung, vor allem mächtige Abfalldeposite gegeben, dann wurde die steinerne Stadtmauer von Meroë gebaut. Als Vorgänger dieser Stadtmauer sind vermutlich mächtige Lehmziegelmauern zu deuten, die jetzt nahe des gewachsenen Bodens an der Nordwest-Ecke des Wasserbeckens der Royal Baths entdeckt wurden. Am Gebäudekomplex hat es Umbau- bzw. Reparaturmaßnahmen gegeben, wie Bauschutt und planierter Erdaushub rund um das Wasserbecken zeigen. Als Teil einer zweiten Bauphase sind die östlichen Begrenzungsmauern der Bäder einzuordnen. Die Geschichte der meroitischen Stadtsiedlung von Hamadab beginnt mit der geplanten Gründung der befestigten Oberstadt und lässt sich in mehrere Abschnitte gliedern, die sich gut in die Besiedlungsgeschichte des meroitischen Kernlandes einfügen. Ihre drei Hauptperioden weisen unterschiedliche  morphogenetische Faktoren auf. Die Entdeckung eines Keramik-Brennzentrums in der angrenzenden Unterstadt beleuchtet die funktionale Gliederung von Kern- und Vorstadt und liefert exzellentes Material zur Erforschung der meroitischen Keramiktechnologie sowie der Handelsbeziehungen mit benachbarten Orten. Die vergleichende Bearbeitung der im Areal der Royal Baths von Meroë und in Hamadab gefundenen Keramik lässt bereits Unterschiede erkennbar werden. Sie betreffen nicht nur die Zeitstellung des Fundmaterials, sondern auch die bevorzugt verwendeten Tonmaterialien oder das angewandte Verfahren zur Herstellung der Gefäße entweder auf der Töpferscheibe oder als Handanfertigung.

Schlagworte

Kusch; Meroë; Hamadab; Siedlungsarchäologie; Stadtsiedlung; Keramikproduktion

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