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Die spätantiken Fundmünzen des Ostia-Forum-Projektes
Einführung
1In der Spätantike kam es zu zahlreichen Transformationsprozessen, die oftmals in der älteren Forschung als ein Niedergang gedeutet wurden. Dies betrifft insbesondere das altehrwürdige ›caput mundi‹ Rom, welches von Konstantinopel schrittweise abgelöst wurde, wobei die Situation in deren Hafenstadt Ostia ähnlich anmutet[1]. Doch zeigt sich anhand der von der Humboldt-Universität zu Berlin unter Leitung von Axel Gering (Ostia-Forum-Projekt) vorgenommenen Ausgrabungen im Forumsbereich Ostias ein differenzierteres Bild von Verfall, Umbau und Restaurierung. Dort herrschte nachgewiesenermaßen bis zum Ende des 5. Jahrhunderts n. Chr. noch rege Tätigkeit[2].
2Im Rahmen dieser Forschungskampagnen wurden mehrere Räumlichkeiten am Forum untersucht: Die Portiken, die nördlichen und südlichen tabernae (sog. TDV und TFR)[3], der Tempel der Roma und des Augustus, diverse Marmordepots oder auch das nahegelegene Foro della Statua Eroica[4] (Abb. 1). Dabei traten auch zahlreiche numismatische Funde zu Tage, besonders in den tabernae. Die aus der südlichen Taberna (TDV) stammenden Münzen wurden in meiner Masterarbeit behandelt und katalogisiert. Bis auf eine Handvoll Münzen datieren diese in das 4. bis 5. Jahrhundert n. Chr. Sie gelangten grosso modo wahrscheinlich beim Einsturz und einer Überschwemmung des Gebäudes in den Grund. Damit spiegeln sie ungefähr dasselbe Münzspektrum wider wie zeitgleiche »Horte« in Ostia, die aus Zerstörungsschichten des 5. Jahrhunderts stammen[5]. Das heißt, dass sich, obwohl es zahlreiche Münzreformen und Veränderungen der Nominale gab, diese Münzen vom Anfang des 4. bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts (vielleicht sogar bis zur Reform des Anastasius im Jahr 498) zeitgleich im Umlauf befanden. Dabei wogen die tetrarchischen Folles zwischen 7 und 14 g, die valentinianischen Centenionales um 2 bis 3 g und das Hauptkupfernominal des 5. Jahrhunderts, die sog. Nummi/Minimi, nur 0,5 bis 1 g[6]. Die letzten beiden Nominale machten das Gros aus; dies impliziert, dass die Münzen im Laufe des 5. Jahrhunderts in den Boden gelangten, wobei sich die älteren Nominale noch im Umlauf befanden.
3Ein spannendes Phänomen, auf das man bei der Analyse der Funde stieß, stellen die sog. geteilten Münzen dar (insgesamt 69 Stück und fünf mit versuchter Teilung). Diese wurden entweder mithilfe eines Spalteisens halbiert (32 Stück) oder es wurden – von einer größeren Münze – Stücke mithilfe einer Zange abgezwickt. Eine erste Analyse ergab, dass die Æ IV (Halbcentenionales) vom Übergang des 4. zum 5. Jahrhundert eher prädestiniert für eine Halbierung waren (Abb. 2). Deren Schrötlinge waren dicker und die recht kleinen Münzen wogen etwas mehr als 1 g, so dass eine weitere Abtrennung von kleineren Komponenten wenig sinnvoll erschiene; darüber hinaus wäre es sogar technisch unmöglich gewesen, ohne sie gänzlich zu zerstören. Von den Æ III (Centenionales) des 4. Jahrhunderts hingegen wurden eher Stücke abgetrennt, nur fünf Exemplare wurden halbiert (Abb. 3). Das kann damit zusammenhängen, dass sie zum einen mehr wogen und zum anderen die Schrötlinge äußerst dünn waren und sich somit leichter Teile abknipsen ließen. Die halbierten Æ IV wiegen nach der Teilung 0,4 bis 0,5 g und die Æ III um 1 g. Die beschnittenen wiegen im Gros zwischen 1 und 1,5 g. Daraus lässt sich schließen, dass die abgetrennten Stücke ebenfalls zwischen 0,5 und 1 g wögen. Das Ganze ließe sich meines Erachtens als Anpassung an gängige Nominale deuten.
Forschungsstand
4Der Forschungsstand ist bis dato in dem Bereich der numismatischen Entwicklung zwischen der Mitte des 5. Jahrhunderts bis zu dessen Ende und der Reform des Anastasius spärlich bespielt, vor allem im deutschsprachigen Raum. Gerade den Kupfermünzen des 5. Jahrhunderts wird wenig Beachtung geschenkt, da sie meist recht klein und schlecht erhalten sind. Diese markieren jedoch den Übergang zu den späteren (byzantinischen) anastasianischen Münzen, die dann weitestgehend auf komplexe Bildthemen verzichteten[7]. Dies wird von Wolfgang Hahn in dem Supplementum zu der Reihe Moneta Imperii Byzantini kurz abgehandelt[8]. Michele Asolati beschäftigt sich auch eingehend mit der Epoche, doch mehr mit einem Blick auf das 6. Jahrhundert und den Übergang zur langobardischen Prägung. Von ihm wurden diverse ›Ripostigli‹ ausgewertet, genauso von Ermano Arslan, der sich z. B. mit den Funden unter der Synagoge von Kapharnaum – über 20.000 Stück – auseinandersetzte[9]. Das Phänomen der Münzteilung und die sich hieraus ergebenden Schlussfolgerungen wurden hingegen kaum behandelt. Erik Gren widmete sich als erster bei seiner Analyse des Münzfundes von Viminacium (Moesia) ausführlich diesem Thema, doch wurden weitere Untersuchungen durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges unterbrochen und verhindert[10]. Außerdem beschäftigt sich Georges Depeyrot in einem fünfseitigen Artikel mit der technischen Analyse dieser Prozedur und kommt zu dem Schluss, dass es geteilte Münzen womöglich gar nicht gäbe, sondern sie ein Produkt beim Gießen von Münzen seien[11]. Das mag bei dem von ihm behandelten Material zutreffend sein, man kann es jedoch anhand der Menge solcher Stücke als allgemeine Erklärung ausschließen, da im Rahmen vieler weiterer Münzfunde aus dem 5. und 6. Jahrhundert geteilte Exemplare auftauchen. Doch stehen eine ausführliche Interpretation und Analyse derselben noch aus[12].
Zeitliche Einordnung
5Für die zeitlich Einordnung des Ganzen schließen sich direkt mehrere Fragen an: Gibt es eine zeitliche Divergenz von Teilungsprozessen und verschiedenen umlaufenden, neugeprägten Nominalen? Und wenn ja, wann wurden welche Münzen geteilt? Dafür ist ein Studium von literarischen Quellen unabdingbar. Vor allem der Codex Theodosianus liefert Aufschluss über die juristische und ökonomische Situation dieser Epoche. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts befanden sich noch genügend Münzen im Umlauf; die Nominale wurden kurz zuvor von Arcadius und Honorius festgesetzt: »Impp. Arcadius et Honorius aa. Dextro praefecto praetorio. Centenionalem tantum nummum in conversatione publica tractari praecipimus maioris pecuniae figuratione submota. Nullus igitur decargyrum nummum alio audeat commutare, sciens fisco eandem pecuniam vindicandam, quae in publica potuerit conversatione deprehendi. Dat. prid. id. april. Mediolano Olybrio et Probino conss.«[13] Hierin wird festgehalten, dass die schwereren Bronzemünzen (sog. Pecunia Maiorina) zugunsten der Centenionales eingestampft werden. Die weitere Annahme jener Münzen wird auch unter Strafe gestellt; wahrscheinlich sollten so die älteren, besseren Stücke eingezogen werden, um sie dann als Centenionales wieder auszumünzen. Dadurch konnte ein größerer Gewinn erzielt werden, denn so war es möglich, mehrere Münzen pro Pfund zu emittieren.
6Allgemein blieb das 5. Jahrhundert geprägt von mannigfachen kriegerischen Auseinandersetzungen und innenpolitischen Krisen. Diverse ›barbarische‹ Völkerschaften drangen in das Reich vor und gründeten teilweise eigene Herrschaftsbereiche oder wurden als Foederati angesiedelt; schnell brachen zwischen den Imperatoren und den Stammesvertretern Konflikte aus, die in Plünderungszügen endeten (dreimalige Eroberung Roms: 410, 455, 472). Dadurch wurden weite Landstriche wüst und leer zurückgelassen oder der zentralen Kontrolle entzogen[14].
7Mit dem Beginn des Streifzuges Alarichs durch Italien im Jahr 402 entstand ein quantitativer Rückgang der Emissionen in Bronze; z. B. wurden in Aquileia Münzen mit Bronzelegierung nur noch sporadisch geprägt und ein Teil des Personals wurde in das sicherere Ravenna verlegt, bis diese Prägestätte um 423, so wie auch jene von Siscia, geschlossen wurde. Somit blieb Rom die einzige Hauptmünzstätte für Bronzemünzen innerhalb Italiens und de iure auch aller westlicheren Provinzen, in der auch ein Rückgang an Prägungen zu verzeichnen ist (mit einem Intermezzo in den letzten Regierungsjahren des Honorius), da das Ausmünzen von Bronze in diesem kleinteiligen Format im Gegensatz zu Edelmetallen nicht lukrativ war. Erst Valentinianus III. erkannte das Problem der fehlenden Versorgung und ließ vor allem in seinen ersten Regierungsjahren verstärkt Münzen in Rom emittieren[15].
8Bestätigt wird das durch Ausgrabungen in Ferentium (Provincia di Viterbo), wo die Schließung der Prägestätten und die Bedrohung durch Alarich dazu führten, dass nicht offizielles Notgeld (83% Blei- und geteilte Münzen) herausgegeben wurde. Die Differenzierung zwischen Falsch- und Notgeld bleibt wegen des schlechten Materials und der damit verbundenen, oftmals minderen technischen Qualität nicht eindeutig[16]. Unter den 40 analysierten Bronzemünzen befinden sich immerhin 12 halbierte oder gedrittelte. Dabei wurden ältere Æ III geteilt, um Æ IV zu erhalten. Ebenso verdeutlicht die große Anzahl an Münzen mit Bleilegierung, dass nicht genügend Scheidegeld für die alltäglichen Transaktionen verfügbar war, wodurch sich dementsprechend beholfen wurde. Wegen der Datierung um die Jahrhundertwende wird das Ganze mit dem Sacco di Roma des Alarich assoziiert[17].
9Dazu verschlangen die vielen minder erfolgreichen Feldzüge und die Schäden von Verwüstungen in weiten Landstrichen Unsummen an Geld bzw. bedeuteten sinkende Steuereinahmen. Besonders dramatisch wurde es dann nochmals mit der Ermordung Valentinianus’ des III. im Jahr 455 und dem damit verbundenen Stabilitätseinbruch (Angriff der Vandalen und Blockade der Getreidelieferungen). Im Zuge dessen folgte die Plünderung Roms, die 14 Tage währte, woraufhin die Staatskassen leer waren. Die Vandalen räumten nicht nur die Moneta aus, sondern raubten auch zahlreiche Statuen und andere aus Edelmetall bestehende Güter. Einige Bronzestatuen blieben wohl zurück, und wurden letztlich veräußert, um die Kassen wieder zu füllen. Der Wert als Kunstwerke überstieg scheinbar den reinen Metallwert der Bronzestatuen, da man sie sonst eingeschmolzen und neu ausgemünzt hätte[18].
Das monetäre System
10Konstantin beschloss nach seinem Sieg über Maxentius (312 n. Chr.), das Geldwesen zu ändern: »Constantini temporibus profusa largitio aurum pro aere, quod antea magni pretii habebatur, vilibus commerciis assignavit; sed huius avaritiae origo hinc creditur emanasse.«[19] Dies bedeutete eine Abkehr von fixen Wertrelationen der Metalle zu einander, wie es sie die ganze Kaiserzeit hindurch gab, hin zu einem am Markt orientierten Preis. Dies bedeutet, es konnten starke Schwankungen auftreten, je nach Quantität und Qualität der jeweiligen Güter. Diese Goldpreisschwankungen spiegelten sich dann in der Veränderung der Münzfüße der Æ wider, da der Solidus unverändert blieb; er fungierte wegen seiner Beständigkeit auch als Recheneinheit bei Löhnen oder Kosten. Letztendlich wurde auf die Überbewertung der Kupfermünzen verzichtet (Nennwert höher als Realwert), was angeblich einen Niedergang des Handels mit diesen zur Folge gehabt hätte. Außerdem waren auch die Silberprägungen rückläufig, wodurch gerade das Gold zum Transaktionsmittel auserkoren wurde. Kupfer blieb nur für den Binnenverkehr und die täglichen Geschäfte als Scheidegeld unverzichtbar[20].
11Silbermünzen hingegen besaßen ein festes Verhältnis zum Solidus[21] (1 Solidus zu 24 Siliquae[22]). »Dass schließlich im 4. Jahrhundert Bronzehorte am häufigsten sind, ist für die erste Jahrhunderthälfte durch den geringen Umfang der damaligen Silberprägung zu erklären.«[23]
12Die sog. Siliquae wurden zwar bis ins 7. Jahrhundert geprägt (und am Ende des 4. Jahrhunderts nahm ihre Zirkulation nochmals deutlich zu), doch ab dem 5./6. Jahrhundert wurden sie anscheinend nur noch sporadisch als Donative an die Soldaten oder als Gedenkmünzen herausgegeben. Man trifft sie auch kaum in archäologischen Kontexten an, doch liefen sie womöglich eher ergänzend zur Goldprägung. Interessant wäre hierbei nur, inwiefern sie dann als Zahlungsmittel fungierten[24].
13Da sich durch die verschiedenen politischen Ereignisse auch die wirtschaftliche Kraft und Verfügbarkeit von Edelmetallen verschlechterte, änderte sich daraufhin auch der ›Kurs‹ zum Gold, was sich dadurch zeigt, dass die Centenionales immer leichter wurden.
14So wog der Centenionalis (Æ III) bis 425 (mit einem Münzfuß von 1/72) um die 2,2 g. Danach wurde bis ungefähr 470 nur noch der Halbcentenionalis (sog. Minimus) mit 0,9 bis 1,3 g geprägt[25], doch blieben die älteren Centenionales wohl auch noch im Umlauf. Für die erste Regierungszeit des Zeno I. (474/5) sind Minimi aus ›Hortfunden‹ mit einem Gewicht von 0,6 g auf der italienischen Halbinsel nachgewiesen[26]. Ab dieser Zeit sind auch Wertzeichen auf Münzen nachgewiesen, wie die XL auf den Æ I (16,3 g) des Zeno, die ab 480 eingeführten wurden[27] (Abb. 4b), oder auf den vandalischen Silbermünzen; diese beziehen sich auf die kleinste Münzeinheit (Nummus). Durch diese Markierungen lässt sich feststellen, dass die ursprünglichen Æ IV unter Basiliscus mit 1,5 Nummi und danach unter Zeno mit 2,5 Nummi bewertet wurden. Diese liefern uns ein Indiz auf das Gewicht des Nummus zwischen 475 und 491 mit 0,6 bis 0,76 g unter Basiliscus und 0,36 bis 0,45 g unter Zeno I.[28], bis sie zur Zeit der Reform des Anastasius 498 auf ein Gewicht von 0,24 g sanken (Abb. 5). Solch leichte Münzen eigneten sich nicht zur Prägung; das kleinste angenommene Prägegewicht der Æ IV läge laut John Mac Isaac bei 0,76 g, zu welchem diese dann noch emittiert wurden[29].
15Es wurde trotz geringer Schwankungen ein einheitlicher Münzfuß angestrebt, um auch der Falschmünzerei entgegen zu wirken. Besonders die Monogrammtypen des Marcianus, Leo und Zeno wurden gern aus Blei imitiert, da es zu dieser Zeit eine hohe Nachfrage an Wechselgeld gab. Die Imitation eines Monogrammes war indes einfacher als die Kopie einer komplexen Gestalt (wie Victoria, Kaiser etc.)[30].
16Somit ist festzuhalten, dass es ab 425 nur noch ein Hauptkupfernominal – mit einigen Ausnahmen (wie etwa größeren Bronzen mit ca. 3 g) unter Leo I. – gab. Doch konnten sich diese nicht wieder etablieren. Aufgrund der Entsendung des Anthemius nach Italien und der damit verbundenen Ausstattung sowie der enormen Kriegsanstrengungen zur Rückeroberung Afrikas im Jahre 468, die in einem Desaster endete und immense Summen verschlang, wurden weniger Emissionen in Umlauf gebracht[31].
17Der daraus resultierende Mangel an Geldstücken führte dazu, dass auch die Minimi im Laufe der 470/80er Jahre immer leichter wurden und wahrscheinlich keinen reellen Wert mehr besaßen. Es erscheint einleuchtend, dass gerade in dieser Zeit die Halbcentenionales von 1,1 bis 1,3 g halbiert wurden, um dadurch ›Viertelcentenionales‹ zu erlangen, und die älteren, dünneren Folles/Centenionales an mehreren Stellen ›beschnitten‹ wurden, wodurch man ähnlich leichte ›Minimi‹ erschuf.
18Das Problem des Ganzen wäre dann die Wertigkeit dieser Stücke und die ihnen zugrunde liegende Kaufkraft gewesen. Dazu muss man ebenfalls Quellen über Löhne und Preise für Nahrungsmittel nebst anderen Gütern zu Rate ziehen (dies soll im Laufe der Forschungen noch intensiver verfolgt werden). Dabei sollte auch untersucht werden, ob die Münzen nach Gewicht gewertet wurden (Realwert), wodurch sie lediglich hätten gewogen werden müssen, oder ob sie doch einen Nennwert besaßen, der womöglich höher lag als Realwert solch kleiner Münzstücklein.
19Zum Preisverhältnis im Jahre 445 gibt es einen Vermerk in der Novellae Valentiani. So gäbe man für 40 Modii Getreide einen Solidus aus, was auch dem Tageslohn eines Kavalleristen entspräche. Folglich bekäme man einen Modius[32] für 180 Nummi (einen Sextarius also für 11,25 Nummi)[33]. Dabei scheint es sich aber um ein ziemlich hohes Salär gehandelt zu haben, da zu jener Zeit Handwerker dies als Monatslohn empfingen[34]. Für das Subsistenzminimum wurden 4 bis 5 Solidi pro Jahr veranschlagt. Es wird davon ausgegangen, dass man für einen Solidus genügend Brot für ein Jahr bekäme[35]. Die Preise waren ganz unterschiedlich und werden regional und temporal auch geschwankt haben, je nach Verfügbarkeit und Nachfrage von bestimmten Gütern; so sollen im 6. Jahrhundert 21.000 Ziegel 3½ Solidi gekostet haben und ein ganzes Haus 5 Solidi. Am Ende des 4. Jahrhunderts hingegen kostete ein Haus noch 10 Solidi bzw. eine Kuh oder einen Esel bekam man für 8 Solidi[36]. Diese Beispiele verdeutlichen, wie unterschiedlich die Preise waren und wie schwer es ist, für jene Epoche Belege für die gewünschte Region zu finden. Eine Aufstellung von Löhnen und Preisen für die Hochkaiserzeit findet sich bei Wolfgang Szaivert und Reinhard Wolters. Für das ausgehende 3. Jahrhundert und den Anfang des 4. Jahrhunderts liefert das Preisedikt des Diokletian einige Hinweise[37].
20Schließlich wurde das Problem des fehlenden Kleingeldes durch die Reform des Anastasius 498 behoben, wobei die kleinsten eingeführten Bronzemünzen die Pentanummi (1,13 g; 1/288: wie die früheren Halbcentenionales) waren. Folglich wog der zugrundeliegende Nummus um die 0,25 g (Münzfuß 1/1440)[38]. All diese neuen Nominale wurden mit Wertzeichen versehen und konnten somit direkt und leicht unterschieden werden (Abb. 4a. b). Meiner Meinung nach läge den noch im Umlauf befindlichen Minimi ein Gewicht von 0,3 bis 0,6 g zugrunde. Solch kleine Münzen zu prägen wäre wohl kaum lukrativ gewesen, weshalb es sich wahrscheinlich um eine Anpassung an die neueren Goldpreise und Wechselkurse handelte[39]. Somit bildet die Reform für die Teilungsvorgänge einen terminus ante quem, wobei nicht genau ersichtlich ist, ob diese Stücke später sukzessive eingezogen wurden oder noch als Zahlungsmittel gültig gewesen waren. Zumindest scheint es so, dass die letzten Horte mit einer Masse an Minimi aus der Regierungszeit des Mauricius (580er Jahre) stammen und dass man diese eigentlich peu à peu aus dem Verkehr ziehen wollte: »Il s'agit clairement de remplacer la masse des nummi et autres ›minimi‹.«[40]
Abstracts
Zusammenfassung
Die spätantiken Fundmünzen des Ostia-Forum-Projektes
Alexander Dorn
Gegenstand des Dissertationsvorhabens wird die Analyse des Scheidegeldes sowie der geteilten Münzen in Hinblick auf das Verhältnis zu den anderen Metallen/Nominalen sein. Ziel ist es, eine Synthese zwischen der reinen numismatischen Analyse der Funde und ihrer wirtschaftlichen Interpretation sowie dem Grabungsbefund und seinem Stellenwert innerhalb der spätantiken Stadt – in diesem expliziten Fall des Forums von Ostia – herzustellen. Als Ausgangsbasis dazu soll das Material aus Ostia dienen: dafür müssen die Funde und Stratigraphie im TFR ausgewertet und mit dem TDV sowie weiteren Lokalitäten in und außerhalb Ostias verglichen werden.
Schlagwörter
Numismatik, ökonomische Ereignisse, Ostia, römische Münzen, spätantike Münzen, Spätantike
Abstract
The late antique coin finds of the Ostia forum project
Alexander Dorn
The subject of the dissertation project will be the analysis of the small-change and the divided coins with regard to their relationship to the other metals/nominals. The aim is to establish a synthesis between the pure numismatic analysis of the finds and their economic interpretation, as well as the excavation findings and their significance within the Late Antique city – in this explicit case the forum of Ostia. The material from Ostia will serve as a starting point: For this purpose, the finds and stratigraphy in the TFR must be evaluated and compared with the TDV and other localities in and outside Ostia.
Keywords
economic events, late antique coins, Late Antiquity, numismatics, Ostia, Roman coins
Einführung
Forschungsstand
Zeitliche Einordnung
Das monetäre System
Abstracts